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Idee
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Idee

Freie Projekte und Aktionen von und mit Künstler*innen an Schulen

Kreativität entsteht oft in Frei- und Zwischenräumen. Sind Künstler*innen längerfristig an einer Schule tätig, entwickeln sie häufig eigene Ideen für Projektformate abseits des Lehr- oder Stundenplans.

Solche Alternativen und Mischformen zu den bereits vorgestellten Arten der Zusammenarbeit können vor allem während eines Projekttages oder einer Projektwoche umgesetzt werden.

Bei einer langfristigen Zusammenarbeit mit den Künstler*innen sind auch vielfältige Aktionen im gesamten Schulraum denkbar, wie etwa Pausenaktionen oder Angebote am Nachmittag.

Der Klassenraum wird zur Kulisse
Mit Techniken und Materialien experimentieren
Den Schulhof neu erfahren
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Durchführung

Aktionen und Projekte: Denk- und Arbeitsansätze

Im Rahmen eines Artist-in-Residence-Programms bringen sich Künstler*innen mit ihren Sicht- und Herangehensweisen in Schulen ein.

Durch den Einbezug der eigenen Arbeit, freie Assoziationen sowie neue Kombinationen können originelle Verbindungen zwischen Inhalten, Fächern und Personen entstehen. Diese wiederum können zu freien Projekten und Aktionen führen.

Doch wie kann ein solches Vorhaben aussehen?
Hier erhalten Sie einen Einblick in drei spannende Kunstprojekte und die ihnen zugrunde liegenden Ansätze …

Folgende Aspekte waren für das Gelingen besonders wichtig:

 

 

Diese Form der Zusammenarbeit kann zu Experimenten führen! Dafür ist es wichtig, dass alle Beteiligten offen sind für neue Erfahrungen.

Um gut miteinander zu arbeiten, ist es von Vorteil, wenn sich alle Projektbeteiligten besser kennenlernen und gegenseitiges Vertrauen entwickeln.

Durch das genaue Zuhören und Nachfragen können sich Anknüpfungspunkte zeigen: Wofür besteht Begeisterung? Welche Kenntnisse haben die Schüler*innen? Welche Ereignisse, Geschichten oder Phänomene beschäftigen oder faszinieren sie?

Das kann zur Konsequenz haben, dass Schüler*innen und Lehrer*innen freiwillig am Nachmittag ihre Schule erkunden und sich beispielsweise intensiv mit den Fahrradständern auf dem Schulhof auseinandersetzen …

Wichtig ist, dass die Künstler*innen Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit Schulen mitbringen oder ausreichend Kenntnisse über die schulischen Strukturen erlangen.

Gleichzeitig sollten die Künstler*innen die Chance erhalten, ihr Selbstverständnis sowie ihre eigenen Arbeitsweisen und künstlerischen Methoden einzubringen.

Hierdurch können neue Herangehensweisen und Abweichungen vom Gewohnten im Schulalltag ankommen.

Künstlerische Projekte und Aktionen, die nicht direkt in den Lehrplan integriert sind, eignen sich sehr gut für Projekttage oder -wochen. Dabei sollten die Rahmenbedingungen im Voraus klar definiert werden (Zeitrahmen, Anzahl der Teilnehmenden, Jahrgangsstufe, …).

Andererseits ist auch die freiwillige Nutzung von Zeitfenstern am Nachmittag oder in Pausen denkbar.

1. Wie kann Bekanntes neu verknüpft werden?

Neue Verbindungen und ungewöhnliche Kombinationen aus Bekanntem zu schaffen, ist in der Kunst nichts Neues. Übertragen auf den Kontext Schule kann es bedeuten, dass Interessen, Inhalte, Medien und Herangehensweisen (im besten Fall fächerübergreifend) miteinander verknüpft werden. Das soll Spaß machen, Neugier wecken und herausfordern – denn es wird bestimmt auch mal nicht so funktionieren, wie zunächst gedacht.

Ausprobieren, Experimentieren, Erproben und Erforschen sind die Devise und das kann durchaus auch manchmal mühsam und zäh sein – aber auch immer wieder für Überraschungen sorgen, wie das folgende Beispiel zeigt …

Beispielprojekt: FOUND

Was passiert, wenn ich nur einen Bruchteil einer Geschichte kenne?

Aneignen, Umschichten, Umstrukturieren sind gängige künstlerische Verfahrensweisen. Aus Bruchstücken und Vorgefundenem entsteht etwas Eigenes und Neues. Im Bereich des Films wird bereits bestehendes Filmmaterial als Found Footage bezeichnet (zum Beispiel bei der Verwendung von Archivmaterial in Dokumentationen).

Das Projekt FOUND (engl. für gefunden) wurde von der Künstlerin Magdalena von Rudy in Bezug auf die eigene künstlerische Arbeit entwickelt und für den schulischen Kontext angepasst. Gemeinsam mit den Künstlerinnen Theresa Herzog, Sabrina Azizi und Lehrer*innen wurde FOUND in verschiedenen Kontexten erprobt und umgesetzt: angefangen mit Projekttagen bis hin zur Unterrichtsreihe.

Die Idee: Bild- und Tonspur einer kurzen Filmsequenz werden getrennt. Eine Gruppe bekommt nur die Tonspur, eine andere Gruppe nur die Bildspur. Die Schüler*innen erfinden den jeweils fehlenden Teil. Hierdurch entstehen viele spannende Fragen. Zum Beispiel: Erkennt man an der Stimme, welche Haarfarbe jemand hat?

2. Welche gemeinsamen Interessen und Erfahrungen teilt die Gruppe?

Durch Gespräche und Begegnungen auf Augenhöhe wird ein echter Austausch möglich, wodurch bestimmte Vorlieben, Erlebnisse oder auch Fragen zur Sprache kommen können. Hieran kann in der gemeinsamen Arbeit angeknüpft werden. Grundlage ist ein ernsthaftes Interesse am Gegenüber. Hierzu gehören auch eine große Aufmerksamkeit und eine besondere Sensibilität beispielsweise für Emotionen, Vorurteile und Bewertungen.

Um in einen intensiven Austausch zu gehen, ist es natürlich von Vorteil, in einer kleinen Gruppe oder mit einzelnen Schüler*innen zu arbeiten. Doch eine offene, freundliche Atmosphäre kann auch den Dialog unter den Schüler*innen fördern und zu tollen Projekten führen – und sogar zu Veränderungen in der Schule, wie das folgende Projekt beweist …

Beispielprojekt: ZORRO, IDENTITÄT UND GRAFFITI

Die Künstlerin Mona Kakanj arbeitete über zwei Schulhalbjahre mit einer Gruppe von Schüler*innen (8./9. Klasse) einmal in der Woche während einer Doppelstunde zusammen. Zunächst lernten sich die Schüler*innen und die Künstlerin besser kennen, indem sie viel diskutierten und gemeinsam entschieden, woran sie in der Werkstattzeit arbeiten möchten. Die Wahl fiel auf: Graffiti!

In den Gesprächen ging es auch um illegale Aspekte und die Pseudonyme, die sich die Künstler*innen der Szene geben. In diesem Zusammenhang kam das Thema der (künstlerischen) Identität auf. Auch in Mona Kakanjs eigener künstlerischer Arbeit geht es oft um das Thema Identität. Über Wochen hinweg beschäftigten sich die Schüler*innen und die Künstlerin mit diesem Thema und den verschiedenen Graffiti-Techniken, bis sie am Schluss endlich das taten, wovon jede*r Graffitikünstler*in träumt: Eine echte Wand zu bemalen!

3. Wie lassen sich Körper und Raum neu wahrnehmen?

Vielen Schüler*innen fällt es schwer, über Stunden hinweg ruhig zu sitzen und Informationen aufzunehmen. Sie haben den Drang nach Bewegung und Aktion. Diese Elemente können im Lernprozess sogar förderlich sein. Denn durch den Einsatz des Körpers können das Raumempfinden und die sinnliche Wahrnehmung geschult werden.

Doch wie kann der Körper miteinbezogen werden? Wie kann der vorhandene Raum genutzt werden? Wie können Inhalte sinnlich erfahren werden?

Einen Ansatz dafür zeigt das Projekt BODIES IN SCHOOLYARD…

Beispielprojekt: BODIES IN SCHOOLYARD

Was entsteht, wenn eine Künstlerin und ein Sportlehrer gemeinsame Sache machen?
In dem Projekt BODIES IN SCHOOLYARD arbeitete die Künstlerin Theresa Herzog mit einem Sportlehrer in einem freiwilligen, jahrgangsübergreifenden Projekt zusammen. Als Inspiration dienten die BODIES IN URBAN SPACES von Willi Dorner.

Es ging vor allem darum, mithilfe des Körpers die altbekannte Schulumgebung neu zu entdecken und zu erfahren. Hierbei konnten die Schüler*innen sich des eigenen Körpers bewusst werden, seine Dimensionen erfahren, sowie seine Aktionsmöglichkeiten und Grenzen erkunden.

An einem einzigen Nachmittag haben die Schüler*innen sich intensiv mit dem (scheinbar) alltäglichen Raum auseinandergesetzt, ihre Körper in sehr ungewohnte Haltungen gebracht und viel Kraft und Flexibilität trainiert …

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Übertragbarkeit

Wie lassen sich künstlerische Projekte und Aktionen an Schulen umsetzen?

Wenn Sie an Ihrer Schule freie künstlerische Projekte und Aktionen ermöglichen, starten oder unterstützen möchten, hilft die Auseinandersetzung mit folgenden …

Fragen zur Vorbereitung freier Projekte und Aktionen

 

 

  • Werden Ungeplantes, Unvorhergesehenes und kreative Irrtümer wertgeschätzt und positiv genutzt?
  • Welche Impulse geben die Schüler*innen für neue Ideen im Prozess?
  • Gibt es Raum und Zeit für Spontanes und Zufälliges?
  • Was sind Themen und Herangehensweisen, die Freude bereiten und für die eine Leidenschaft und Begeisterung vorhanden ist?
  • Welche persönlichen Interessen bringt jede*r ein – inklusive der Lehrer*innen?
  • Was hat das Thema mit mir zu tun?
  • Wo besteht Gesprächsbedarf? Was sind Themen, die in der Luft liegen? Was beschäftigt die Schüler*innen gerade?
  • Wie können Schüler*innen in die thematischen und gestalterischen Entscheidungen involviert werden?
  • Wo kann sich das Thema oder die Technik an den Interessen der Schüler*innen orientieren?
  • An welcher Stelle können Smartphones und das Internet sinnvoll eingesetzt werden?
  • Wie kann der gesamte Körper zum Einsatz kommen?
  • Wie können ungewöhnliche, unbekannte oder versteckte Orte in der Schule genutzt oder geschaffen werden?
  • Können vorgegebene Räume oder das Schulgelände auch mal verlassen werden?
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Material

Hilfestellungen und Downloadmaterial

Folgende Materialien dienen der Inspiration und können bei der Planung und Umsetzung von freien Projekten helfen.

Aus dem, was die Schüler und Schülerinnen mir liefern, entstehen bei mir im Kopf neue Geschichten: neue Resonanzräume, Reflexionen, kunsthistorische Verbindungen. Das ist meine Arbeitsweise als Künstlerin. Ich finde etwas – und ab dem Moment findet bei mir eine ge­dankliche Kettenreaktion statt.
Magdalena von Rudy, Künstlerin

Sie sind motiviert, eigene Projekte zu entwickeln und umzusetzen und sind auf der Suche nach Ideen und Inspiration?

Dann versuchen Sie es doch einmal mit unserem eigens dafür entwickelten Praxistool „Projektomat“ …

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Als Urheberin zu nennen: Sandra Jasper

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Als Urheberinnen zu nennen: Magdalena von Rudy, Mona Kakanj, Theresa Herzog

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