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Idee
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Idee

Warum ein Artist-in-Residence-Programm an und mit Schulen sinnvoll ist

Was passiert, wenn freie Künstler*innen an Schulen tätig werden? Wie können Artist-in-Residence-Programme an Schulen aufgebaut werden? Welchen Mehrwert stellt ein solches Programm für die Beteiligten dar? Und was sollten Schulen und Künstler*innen bei der Planung beachten?

Diesen und weiteren Fragen nach Bedingungen, Qualitätsaspekten und Potenzialen künstlerischer Angebote in Schulen ging das Projekt „KLAUS – Kunstlabor an und mit Schulen“ auf den Grund.

Im Sinne eines Artist-in-Residence-Programms arbeiteten die Künstlerinnen Magdalena von Rudy, Sabrina Azizi und Theresa Herzog, Mona Kakanj und Gesine Grundmann über mehrere Schuljahre an vier Schulen in Nordrhein-Westfalen.

Dabei entstanden eine große Anzahl unterschiedlicher Projekte und – basierend auf diesen Erfahrungen – Materialien für Lehrer*innen und Künstler*innen, die inspirieren und bei der Planung von künstlerischen Angeboten unterstützen sollen.

Diese Plattform kann nur einen ausgewählten, beispielhaften Auszug aus den Projekten zeigen. Jede Situation war durch die beteiligten Akteur*innen und durch ihre spezifischen Umstände geprägt; jedes Setting hatte seine besonderen Anforderungen. Einige gemeinsame Grundlagen ließen sich jedoch ableiten …

Artist-in-Residence – Was bedeutet das im Kontext Schule?

Wie sieht ein Artist-in-Residence-Programm an Schulen aus?

Welches Potenzial bietet ein Artist-in-Residence-Programm an Schulen?

Warum es sich lohnt, Künstler*innen an die Schule zu holen

1. Künstlerische Methoden als Denkweisen verstehen und nutzen

Künstlerische Methoden sind nicht erstgradig künstlerische Techniken und Verfahren wie Zeichnen, Malen oder Plastizieren. Vielmehr scheint die Frage ausschlaggebend zu sein, welche Strategien der Weltaneignung die Kunst benutzt.

Die Künstler*innen nutzen das Vorgefundene als Material, sie experimentieren, lassen sich auf die Themen und Menschen ein und richten ihr Interesse vor allem auch auf die Prozesse. Wie häufig in der künstlerischen Arbeit geht es zunächst darum, neue Formen, Kombinationen oder Perspektiven zu entwickeln. Was jedoch von besonders großer Bedeutung und für Schule oft fremd ist: auch Scheitern ist erlaubt! Es ist sogar erwünscht.

Durch die Unterstützung der Künstler*innen vor Ort, die nicht den schulischen Zwängen wie Noten oder Zeitdruck unterliegen und den Blick für Neues öffnen können, haben die Schüler*innen die Möglichkeit, außerhalb des Unterrichts künstlerisch aktiv zu werden – und zwar so, wie sie es sich wünschen und nicht, wie es ein Lehrplan von ihnen verlangt.
Beteiligte Lehrperson

2. Wichtige Kompetenzen fördern: Die 21st Century Skills

In der Zusammenarbeit mit Künstler*innen und im künstlerischen Arbeiten können viele Kompetenzen gefördert werden, die unter dem Konzept der 21st Century Skills zusammengefasst sind.

Dieses bündelt Fähigkeiten, die unabdingbar sind, um in naher Zukunft ein selbstbestimmtes Leben zu führen und gesellschaftliche Verantwortung übernehmen zu können. Im Bereich Lernen und Innovation werden Kommunikation, Kollaboration, Kreativität und kritisches Denken (4K-Modell) als besonders bedeutsame Qualifikationen herausgestellt.

Mehr zu den 21st Century Skills finden Sie hier in englischer Sprache.

Die Ergebnisse sprechen für sich! (Schnitt & Vertonung: Magdalena von Rudy)

3. Impulse von außen nutzen

Die Künstler*innen bringen ihre eigenen künstlerischen Arbeitsweisen und Methoden sowie einen frischen Blick auf die Strukturen und Themen der Schule mit. Unvoreingenommen können sie in der Arbeit mit den Schüler*innen agieren.

Sie arbeiten vorzugsweise mit bestimmten Inhalten, Materialien oder Medien. Manche Künstler*innen kommen bereits mit einem eigenen Konzept oder einer bestimmten Fragestellung an die Schule.

Entscheidend für eine erfolgreiche Zusammenarbeit ist deshalb die Offenheit der Schule gegenüber den Ideen und Methoden der Künstler*innen. Genauso sollten sich die Künstler*innen auf die Strukturen des Systems Schule einlassen. Individualität und Spontanität, Neugier und der Austausch von Erfahrungen spielen dabei auf beiden Seiten eine entscheidende Rolle.

Die Beteiligten sprechen über die Chancen der Impulse von außen
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Durchführung

Wie die Zusammenarbeit zwischen Künstler*innen und Schulen gelingen kann

Damit ein Artist-in-Residence-Programm gelingen kann, sollten sich die Beteiligten frühzeitig folgende Fragen stellen:

  • Wie soll die Zusammenarbeit zwischen Künstler*innen und Lehrer*innen aussehen?
  • Welche Rolle nehmen die Künstler*innen an der Schule ein?
  • Wie kann die Zusammenarbeit zwischen Künstler*innen und Schüler*innen aussehen?
  • Wie können künstlerische Prozesse gestaltet werden?

Zunächst sollten die Beteiligten die Frage nach der Form der gewünschten Zusammenarbeit klären…

Wie soll die Zusammenarbeit aussehen?

Vorab zu klärende Fragen zur Form der Zusammenarbeit und drei Format-Typen

Bevor die Zusammenarbeit zwischen Künstler*innen, Lehrer*innen, Schüler*innen und der Institution Schule beginnt, ist es ratsam, dass sich Lehrer*innen und Künstler*innen über folgende Punkte verständigen:

  • Arbeiten Lehrer*innen und Künstler*innen im Rahmen des Unterrichts zusammen?
  • Gibt es eine feste Zielsetzung? Oder eine offene, prozessorientierte Herangehensweise ohne fokussiertes Thema oder festgelegtes Ergebnis?
  • Oder hat die/der Künstler*in bereits ein Projekt konzipiert, welches an der Schule umgesetzt wird?

Drei Formate der Zusammenarbeit

 

 

Lehrer*innen, Künstler*innen und Schüler*innen arbeiten fächerübergreifend im Unterricht zusammen. Der Impuls für die Zusammenarbeit kommt meist von den Lehrer*innen. Unterrichtsinhalte dienen als Ausgangspunkt für die gemeinsame Planung der Projekte.

Entweder sind die Klassen zu Gast im Atelier oder der/die Künstler*in besucht die Klasse im Klassen- oder Fachraum.
Auch eine Aufteilung der Klasse in Gruppen und/oder die Arbeit an verschiedenen Orten ist möglich.

Die Dauer der Zusammenarbeit kann von einer Doppelstunde bis hin zu regelmäßigen Terminen über mehrere Monate reichen.

   

 

 

 

Die Künstler*innen unterstützen die Schüler*innen bei der Arbeit an eigenen, individuellen Ideen. Dies geschieht meist außerhalb des Unterrichts, beispielsweise in Freistunden, Pausen oder nach der Schule. Es geht darum, zu experimentieren und nicht auf ein bestimmtes Ergebnis fokussiert zu sein. Hierfür stellt das Atelier einen besonderen Ort dar, der inspiriert und einen Rückzugsort schafft.
Die Zusammenarbeit zwischen Künstler*innen und Schüler*innen (einzeln oder in Gruppen) steht hierbei im Vordergrund.
Die Künstler*innen nehmen Ideen und Impulse der Schüler*innen auf, sie reagieren darauf, unterstützen, stellen Bezüge her oder Regeln auf, bündeln Energie und Inhalte und schaffen gute Arbeitsbedingungen.

Das Werkstatt-Format stellt eine besondere Form dar, bei der die Schüler*innen frei wählen können, womit sie im Atelier arbeiten möchten und dann dem gewählten Thema, beispielsweise Graffiti, über ein Halbjahr nachgehen.

   

 

 

 

Die Künstler*innen entwickeln ein eigenes, konkretes Konzept auf der Grundlage ihrer Arbeitsweisen und Interessensschwerpunkte, welches sie gerne an der Schule umsetzen möchten. Hierfür werden die Rahmenbedingungen vorher festgelegt (Zeitrahmen, Anzahl der Schüler*innen, Jahrgangsstufe, …)
Dann laden sie ganze Klassen oder einzelne Schüler*innen ein, an dem Projekt teilzunehmen.
Dieses Format eignet sich vor allem für Projekttage/Projektwochen, AGs/Werkstätten oder konzentrierte Aktionen im Schulraum.

   

 

 

 

Welche Rolle nehmen die Künstler*innen an der Schule ein?

Die Wahl des Formats der Zusammenarbeit trägt auch zum Rollenverständnis der Künstler*innen an den Schulen bei  …

Denkbare Formen der Zusammenarbeit sind beispielsweise:

  1. Künstler*innen und Lehrer*innen arbeiten als Tandem und lehren als gleichberechtigtes Team
  2. Künstler*innen unterstützen die Lehrer*innen im Gespräch oder aktiv im Unterricht durch gezielte Impulse und neue Ideen (zwecks Themenöffnung)
  3. Künstler*innen führen selbst Projekte durch und die Lehrpersonen begleiten den Prozess unterstützend

Die Rollen der Künstler*innen

Die Künstler*innen nehmen eine besondere Position an den Schulen ein: Sie werden – wenn alles gut läuft – mit der Zeit ein Teil der Schule. Dennoch behalten sie immer einen Sonderstatus: sie haben keine Lehrverpflichtungen, keine Vorgaben nach Lehrplan, nicht den Druck der Notengebung. Die Künstler*innen sind keine Lehrer*innen und sollen, können und wollen diese auch nicht ersetzen. Ihr Vorteil: Sie können sehr viel freier handeln als Lehrer*innen.

Die Stärke der Künstler*innen besteht oft in ihrer intuitiven Herangehensweise. Intuition meint hierbei das schwer zu beschreibende und oft unbewusste Wissen, das aus einer Kombination aus Erfahrungswerten und Professionalität entsteht. Künstler*innen nutzen die Intelligenz des Unbewussten, um spontane Entscheidungen zu treffen, Muster zu erkennen oder mit Herausforderungen umzugehen, was zu neuen Impulsen an Schulen führen kann.

Künstlerin, Gestalterin, Ermöglicherin, psychologischer Beistand, Fortbildnerin, Lieferantin von Lösungen, Ideen, Gesprächspartnerin für Lehrer und Schüler, Inspiratorin, Konspiratorin, Impulsverarbeiterin. – Das alles waren Rollen, in denen ich mich während meiner Arbeit als Artist-in-Residence bei KLAUS selber erlebt habe.
Magdalena von Rudy, Künstlerin

Wie kann die Zusammenarbeit zwischen Künstler*innen und Schüler*innen aussehen?

Gemeinsame künstlerische Arbeit erfordert eine Vertrauensbasis, die zunächst geschaffen werden muss …

Die Beteiligten sprechen über gegenseitige Inspiration und Beziehungen

Die Künstler*innen im Artist-in-Residence-Programm arbeiten eng mit den Lehrer*innen, Schüler*innen und der ganzen Schule zusammen. Neben der künstlerischen Expertise ist die soziale Komponente und das Zwischenmenschliche ein sehr wichtiger Faktor.

Die Künstlerin Magdalena von Rudy betont, dass das Interesse an den Personen und das Einlassen auf die Organisation Schule eine wichtige Voraussetzung für die künstlerische Zusammenarbeit darstellt. Häufig kommen von den Schüler*innen oder anderen Akteur*innen Impulse für die gemeinsame Arbeit, die im Prozess aufgegriffen und weiterentwickelt werden können. Bestenfalls ist die intensive Zusammenarbeit auch für die Künstler*innen bereichernd und es entstehen Ideen und Anregungen für eigene künstlerische Werke.

Mir geht es um das Menschliche. Um den Impuls eines Menschen, etwas zu machen, zu schaffen. Ich möchte den Kindern nicht im Wege stehen, gleichzeitig beobachte ich sie sehr genau. Aus dem, was sie mir liefern, entstehen bei mir im Kopf neue Geschichten, neue Resonanzräume, Reflexionen, kunsthistorische Verbindungen. Das ist meine Arbeitsweise als Künstlerin. Ich finde etwas und ab dem Moment findet bei mir eine gedankliche Kettenreaktion statt. Sie bringen etwas mit, was ich im nächsten Schritt verarbeite und ab dann tauche ich als Impulsgeberin bei den Kids auf.
Magdalena von Rudy, Künstlerin

Wie können künstlerische Prozesse gestaltet werden?

Die Stärke künstlerischer Prozesse liegt im gemeinsamen Erforschen von Ideen und Herangehensweisen

Die Zusammenarbeit als einen gemeinsamen, offenen und forschenden Lernprozess für alle Beteiligten zu begreifen, kann als entscheidendes Charakteristikum für eine gelungene Projektumsetzung beschrieben werden.

Nur zusammen können Künstler*innen, Lehrer*innen und Schüler*innen einen Raum für Persönlichkeitsentfaltung schaffen, der nachhaltige Eindrücke und Inspiration schenkt. Das Potenzial und die Herausforderung besteht darin, die Inhalte aus der Schule (das Curriculum), sowie Impulse und Interessen der Schüler*innen mit persönlichen, individuellen Ideen, Interessen und Themen zu verbinden.

Auch die Rolle und Persönlichkeit des Künstlers beziehungsweise des Projektdurchführenden ist wichtig, denn vieles führte nicht dadurch zum Erfolg, weil wir unglaublich komplexe Erfindungen gemacht haben, sondern wegen der Art und Weise, WIE wir vorgegangen sind. Hier kommt nicht nur unsere meist andere Haltung zum Vorschein, sondern auch die Professionalität, das Authentische, die Leidenschaft für die Inhalte und die Vorgehensweisen.
Magdalena von Rudy, Künstlerin
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Übertragbarkeit

Tipps für Lehrer*innen und Schulen: Was für die erfolgreiche Umsetzung eines Artist-in-Residence-Programms wichtig ist

An der Schule gibt es einen Lehrplan, Klausurtermine, Konferenzen, Zeugnisse, Ferien, … Der Schulrhythmus dominiert den Alltag der Lehrer*innen und Schüler*innen.

Für die Lehrer*innen ist es häufig eine Herausforderung, zusätzliche Aufgaben – wie beispielsweise die Koordination eines Artist-in-Residence-Programms – zu übernehmen und das Angebot der externen Künstler*innen mit den Anforderungen der Schule zusammenzubringen.

Doch es lassen sich immer wieder Nischen und Freiräume für die Zusammenarbeit mit Künstler*innen finden. Die folgenden Informationen unterstützen bei den Fragen:

  • Welche Personen sind für ein Artist-in-Residence-Programm an der Schule wichtig?
  • Wie finde ich eine*n passende*n Künstler*in?
  • Wie gelingt die Annäherung der Beteiligten?
  • Wie finde oder schaffe ich einen geeigneten Raum?
  • Welchen Zeitraum sollte ein Artist-in-Residence-Programm umfassen?
  • Wie kann ein Artist-in-Residence-Programm finanziert werden?
  • Und letztendlich: Projekte abschließen – oder weiterführen?

Welche Personen sind für ein Artist-in-Residence-Programm an der Schule wichtig?

Personelle und strukturelle Bedingungen, die über das Gelingen eines Artist-in-Residence-Programms entscheiden können

1. Bedingungen an der Schule

Für das Zustandekommen und den Verlauf des Projekts ist es entscheidend, dass die Schulleitung hinter der Zusammenarbeit steht. Nur wenn sie in ihrer Leitungsrolle gegenüber dem Projekt wohlwollend und unterstützend eingestellt ist sowie die entsprechenden Rahmenbedingungen schafft, kann die Kooperation langfristig funktionieren.

Zum Beispiel kann es der Kooperation zugute kommen, wenn die Zusammenarbeit mit Künstler*innen bei den Konferenzen thematisiert wird und es einen kontinuierlichen Austausch über die Entwicklung gibt. Alle Beteiligten sollten sich darüber bewusst sein, dass ein solches Projekt einen Mehrwert für die Schule darstellt, es jedoch stellenweise auch mehr Arbeit macht.

2. Ansprechpartner*innen: Wer kümmert sich an der Schule um das Programm?

Extrem wichtig für den Start in der Schule und den weiteren Verlauf der Zusammenarbeit ist ein*e Ansprechpartner*in für die Künstler*innen. Dies sollte eine Person aus dem Lehrer*innenkollegium sein, die sich verantwortlich fühlt, Kontakte knüpft, Informationen weitergibt, durch die Schule führt, den Austausch herstellt und die Integration der Künstler*innen in den Schulalltag unterstützt. Dieser Faktor kann ausschlaggebend für den Erfolg des Projekts sein.

Über die unterschiedlichen Aufgaben, Rollen und Erwartungen (an sich selbst und den/die Partner*in) sollten sich die kooperierenden Lehrer*innen und die Künstler*innen auf jeden Fall austauschen.

Eine Bedingung, damit ein Atelier in der Schule gelingen kann, ist die Offenheit der Akteure, auch mit widrigen Bedingungen, beispielsweise Zeitmangel, umzugehen. Außerdem sind Neugierde und Offenheit wichtig – nicht, dass man denkt: das klappt eh nicht. Die Akteure sollten das Chaos vielleicht auch als Chance begreifen. Die Schulleitung muss offen sein und Wertschätzung dem Projekt gegenüber zeigen, sonst ist es für die treibenden Kräfte demotivierend. Und es muss Leute geben, die sich als Verantwortliche ansehen, die treibenden Kräfte sind und sich für das Projekt stark machen!
Beteiligte Lehrperson

3. Der Hausmeister als Schlüsselfigur

Auch der Kontakt zum Hausmeister ist entscheidend. Dieser hat Zugang zu allen Räumen, er kennt das Gebäude wie kaum ein anderer. Er kann im wahrsten Sinne des Wortes Türen öffnen. Auch in Bezug auf die Sicherheitsmaßnahmen, Brandschutzverordnung, Zufahrten zum Schulhof, Reinigung etc. ist er ein wichtiger Ansprech- und Kooperationspartner. Meist kennt niemand das Schulgebäude so gut wie er.

Mit dem Hausmeister sollte frühzeitig geklärt werden:

  • Mit welchen Materialien darf gearbeitet werden? Was ist verboten?
  • Welche Vorschriften sind zu beachten?
  • Welche Notwendigkeiten und Möglichkeiten der (professionellen) Reinigung gibt es, auch zum Schuljahresende?
Ich habe mich mit dem Hausmeister getroffen und ihn nach der Erlaubnis gefragt, dass ich eventuell auch länger, bis 17 oder 18 Uhr, im Atelier arbeiten kann. Für die Werkstatt-Gruppe muss ich eine große Leinwand aufbauen und deswegen muss ich bohren, hämmern und es wird wahrscheinlich laut. Da das Atelier logistisch so gelegt ist, dass ständig andere Kurse in den Nachbarräumen gegeben werden, kann ich in den Schulstunden nicht laut sein. Der Hausmeister kann mir keinen Extra-Schlüssel für die Außentüren geben. Jedoch darf ich länger im Atelier bleiben und ich darf auch beim Rausgehen die Fluchttür benutzen. Darauf freue ich mich sehr! Denn ab jetzt kann ich länger im Atelier die Vorbereitungen für die nächsten Sitzungen machen.
Mona Kakanj, Künstlerin

Wie finde ich eine*n passende*n Künstler*in?

Diese Frage ist nicht nur wichtig, sondern häufig auch mit größerem Aufwand verbunden, denn …

… eine Person zu finden, …

  • die ein künstlerisches Profil
  • soziale Kompetenz
  • Offenheit
  • die Bereitschaft zur Vermittlung und Organisationsfähigkeit mitbringt,
  • eigene Ideen einbringt
  • sich im System Schule zurechtfindet
  • und auch noch an mehreren Tagen in der Woche an der Schule arbeiten kann und möchte,

… ist nicht immer einfach.

Folgende Adressen können bei der Suche helfen:

  • Auf der Seite des „Kulturservers“ befindet sich eine Datenbank von Kulturschaffenden, die nach Regionen und Sparten sortiert ist.
  • Diese Linkliste des Programms „Kulturagenten für kreative Schule“ enthält Hinweise auf Plattformen und Datenbanken, die bei der Recherche nach Kulturpartner*innen hilfreich sein können. Auf dieser Seite finden sich außerdem wertvolle Hinweise und Tipps für die Auswahl von Kulturpartner*innen oder die Reflexion künstlerischer Projekte.

 

  • TIPP: Auch die Kooperation mit (Kunst-)Hochschulen und die Zusammenarbeit mit Kunststudierenden sollte als Möglichkeit in Erwägung gezogen werden.

Wie gelingt die Annäherung der Beteiligten?

Strategien zur Vernetzung und zum Aufbau einer vertrauensvollen Arbeitsbasis

1. Das Einbinden der Künstler*innen in das Schulleben

In den ersten Wochen der Zusammenarbeit geht es vor allem darum, Beziehungen aufzubauen und Gespräche zu führen. Die Künstler*innen machen sich mit dem System Schule vertraut, sie lernen die Rhythmen der Schule kennen, die Stunden und Pausen, die täglichen Anforderungen der Lehrer*innen, die Kommunikation in der Schule, die Klassen- und Fachräume, den Schulhof, die Flure, die Stimmung und die Dynamik.
Es hat sich als sinnvoll erwiesen, dass die Künstler*innen regelmäßig Zeit im Lehrerzimmer verbringen, um präsent zu sein, um dort die Gelegenheit zu nutzen, kleine Gespräche am Rande zu führen, sich kurz auszutauschen oder abzustimmen und die Themen der Schule mitzubekommen.

Hospitationen sind für die Künstler*innen zu Beginn sehr hilfreich, um Einblicke in den Schulalltag zu bekommen, Lehrer*innen und Schüler*innen näher kennenzulernen und etwas über die aktuellen Themen und Anforderungen im Unterricht zu erfahren, um hier eventuell später mit einem Projekt anzusetzen. Für viele Lehrer*innen ist es ein Gewinn, von den Künstler*innen im Unterricht besucht und begleitet zu werden. Es geht in dieser ersten Phase erst einmal darum, Verständnis für die jeweiligen Arbeitsweisen, Interessen und Themen zu schaffen. Auch über Erwartungen und Rollen wird gesprochen.

Die Beteiligten sprechen über das Kennenlernen und Ankommen

2. Gegenseitiges Vertrauen und Aufmerksamkeit schaffen

Es braucht viel Zeit, um eine vertrauensvolle Basis für die Zusammenarbeit zu schaffen. Gerade zu Beginn des Schuljahres besteht die Hauptaufgabe darin, die Schüler*innen und Lehrer*innen auf das Atelier aufmerksam zu machen, was einige organisatorische, aber auch kreative Strategien erfordern kann.
Das Kunstlabor KLAUS hat sich beispielsweise auf der Lehrerkonferenz vorgestellt, Flyer, Plakate und bunte Tape-Hinweise im Flur platziert, Ankündigungen per Lautsprecherdurchsage durch die Schule geschickt und die Türen des Ateliers in den Pausen weit geöffnet. Nachdem erste neugierige Schüler*innen das Atelier erkundeten und begannen, regelmäßig dort zu arbeiten, wurden gemeinsam künstlerische Pauseninterventionen durchgeführt, um in der Schule Aufsehen zu erregen.

Wichtig ist bei allem: Es braucht seine Zeit, bis das Kunstatelier im Schulalltag wirklich wahrgenommen wird.

Als nützlich erwiesen hat sich auch hier die enge Zusammenarbeit mit verbündeten Lehrer*innen, die regelmäßig im Kollegium von dem Projekt berichteten und Kolleg*innen ermutigten, Kontakt zu der Künstlerin/dem Künstler aufzunehmen. Das regelmäßige gemeinsame Kaffeetrinken mit allen Interessierten im Atelier hat sich als einfach und wirkungsvoll erwiesen, um sich und erste Ansatzpunkte kennenzulernen, die Rahmenbedingungen abzustecken oder gar fächerübergreifende Ideen zu entwickeln.

Ist ein*e Künstler*in allein an der Schule, ist es für sie/ihn umso wichtiger, Verbündete, Mitstreiter*innen und Austauschpartner*innen zu haben.

Wie finde oder schaffe ich einen geeigneten Raum?

Welche Räume stehen für das Artist-in-Residence-Programm zur Verfügung – oder können geschaffen werden?

1. Der ganze Schulraum

Für viele Schulen ist es nicht leicht, einen eigenen Raum über einen längeren Zeitraum ausschließlich als Atelier zu nutzen. Raumknappheit an Schulen ist gerade in den Städten ein großes Thema und wird sich laut einer Studie der Bertelsmann Stiftung  zu steigenden Schüler*innenzahlen auch in den kommenden Jahren noch zuspitzen.

Doch das ist kein Ausschlusskriterium für ein Artist-in-Residence-Programm!

Die Künstler*innen arbeiten im Raum Schule, in dem großen Gebäude mit seinen Klassen- und Fachräumen, den Fluren, dem Schulhof und vielleicht einer eigenen Turnhalle, Aula, Mensa, Toiletten, Treppenhäusern und Kellern.

An all diesen Orten kann eine Aushandlung von Kunst und Schule stattfinden. Mit künstlerischen Methoden können unbekannte oder sogar unliebsame Orte der Schule erforscht und bespielt werden.

2. Das Atelier als Insel

Die Idee, ein Kunstatelier in der Schule einzurichten, stellt eine Herausforderung und Chance gleichermaßen dar. Das Atelier als Ort der künstlerischen Produktion funktioniert als Werkstatt, als Treffpunkt, Ort der Auseinandersetzung mit Kunst, Wahrnehmung und Ästhetik genauso wie mit Material und dem eigenen Körper. Durch das eigene Atelier haben die Künstler*innen die Freiheit, diesen Raum individuell zu gestalten. Außerdem sind sie dann nicht mehr „nur“ Gast an der Schule, sondern können sich durch diesen eigenen Raum auch als Gastgeber*in begreifen. Es ist ein Ort der Inspiration und ein Raum mit besonderem Charakter. Hier gelten spezielle Regeln und manche bezeichnen das Atelier als „Insel“ in der Schule. Beispielsweise bei KLAUS waren das Essen und Trinken sowie das Benutzen des Handys grundsätzlich erlaubt.

Für das Atelier sind eine Größe von mindestens 50 m², der Einfall von Tageslicht sowie ein Waschbecken formulierte Voraussetzungen.

Doch es zeigt sich, dass auch die Sichtbarkeit und Erreichbarkeit des Raums wichtige Faktoren für die Nutzung, Wahrnehmung und Einbindung des Ateliers in den Schulalltag darstellen. Natürlich können vom Atelier auch kreative Impulse in das gesamte Schulgebäude und -gelände ausgehen.

Die Gestaltung von Ateliers – Erfahrungswerte bei KLAUS
Was tun, wenn kein eigenes Atelier zur Verfügung steht?

Mit oder ohne Atelier hilfreich: Die BOX – Der Raum im Raum

Ein Element, welches für Magdalena von Rudys Arbeit im Atelier charakteristisch ist, ist die sogenannte BOX.

Die Künstlerin konzipierte eine große Holzkiste aus Dachlatten und MDF-Platten. Der so entstandene Raum im Raum läßt sich multifunktional einsetzten. Der neue Raum wird für die Umsetzung diverser Projekte genutzt und verwandelt sich zur Bühne, zum Fotostudio oder Rückzugsort, zur Stellwand, Höhle und „Dancebox“ oder auch zum „Beichtstuhl“. Von außen lassen sich die vier Wände mit Tapete bespannt als Leinwand oder als Präsentationsfläche nutzen.

Welchen Zeitraum sollte ein Artist-in-Residence-Programm an Schulen umfassen?

Über die zeitliche Ausrichtung der Zusammenarbeit und der Projekte

Artist-in-Residence-Programme sind langfristig angelegte Programme, die mindestens ein Schuljahr umfassen sollten. Nur so besteht die Möglichkeit, innerhalb dieses Programms längerfristige Projekte anzugehen, Konzepte und Strategien weiterzuentwickeln und Ideen langsam reifen zu lassen.

Bis sich die Anwesenheit der Künstler*innen bei Lehrer*innen und Schüler*innen herumgesprochen hat und Anknüpfungspunkte erkannt werden und dann auch wirklich genutzt werden, vergehen häufig einige Monate. Auch innerhalb der konkreten Projekte ist Zeit von Nöten, um sich kennenzulernen, Gespräche zu führen und Ideen zu entwicklen.
Die Lehrer*innen benötigen Zeit, um sich für das „Neue“ zu öffnen und es zu verinnerlichen, um später selbständig einiges davon übernehmen und umsetzen zu können. Nur so können die neuen Methoden und der künstlerische Input auf Dauer an der Schule implementiert werden.

Wie kann ein Artist-in-Residence-Programm finanziert werden?

Tipps und Links zur Finanzierung

Die Finanzierung stellt wohl eine der größten Hürden für die Umsetzung des Artist-in-Residence-Konzepts an Schulen dar. Bislang ist die Förderlandschaft vor allem auf konkrete Projekte ausgerichtet. Eine langfristige Förderung für die Umsetzung eines ergebnisoffenen Prozesses zu bekommen, ist nicht leicht.

 

 

Am wahrscheinlichsten ist das Glücken einer Finanzierung, wenn Gelder aus unterschiedlichen Quellen zusammenfließen. Denkbar sind Mittel von Stiftungen, öffentlichen Einrichtungen (Kommune/Stadt, Land, Bund), privaten und unternehmerischen Spenden oder Sponsorings. Der Schulverein, ortsansässige Firmen oder auch die Elternschaft können ebenfalls einen Beitrag leisten.

Empfehlenswerte Adressen für die Suche nach Finanzierungsmöglichkeiten:

  1. Die Stiftungssuche gibt einen Überblick über die vielseitige Stiftungslandschaft in Deutschland.
  2. Weitere bundesweite Programme, Fördermöglichkeiten und Institutionen hat die Zukunftsakademie NRW gesammelt und auf ihrer Seite gebündelt.

Projekte abschließen – oder weiterführen?

Über die Vor- und Nachteile langfristiger und in sich abgeschlossener Projekte

Fragen zum Projektabschluss, die sich das Projektteam frühzeitig stellen sollte

 

 

Bereits in der Planung einer Zusammenarbeit sollte geklärt werden, welche wichtigen internen Schritte, Termine und Fristen es gibt. Wer übernimmt deren Kommunikation?

Und wenn ja, soll diese intern oder öffentlich stattfinden?

Für einzelne Projekte – und vor allem langfristige Kooperationen – kann eine Abschlussveranstaltung mit einer Präsentation der Ergebnisse sinnvoll sein – beispielsweise in Form einer Ausstellung oder Aufführung.

Einerseits handelt es sich hierbei um die Wertschätzung gegenüber den Schüler*innen und ihren Arbeiten, ebenso kann es aber um das Sichtbarmachen des Projektes mit einer gewissen Außenwirkung gehen.

Je früher innerhalb der Schule und gegebenenfalls darüber hinaus für die Abschlusspräsentation geworben werden kann, desto besser.

Einladungen an Schüler*innen, Lehrer*innen, Schulleitung und gegebenenfalls Eltern, Sponsoren/Förderer, Politik und Öffentlichkeit sollten frühzeitig ausgesprochen oder abgeschickt werden.

Gibt es Maßnahmen der Öffentlichkeitsarbeit, beispielsweise Pressemitteilungen oder Pressebesuche? Wer ist dafür verantwortlich?

Wird beispielsweise innerhalb des Projekts Musik verwendet und soll das Produkt am Ende (online) gezeigt werden, bietet es sich an, sogenannte „GEMA-freie“ Musik mit einer „Creative Common Lizenz“ zu verwenden, für die es im Internet eigene Plattformen zum kostenlosen Download gibt (beispielsweise über audeeyah.de). Oft ist hier lediglich zu beachten, dass die Interpret*innen mit Namen genannt werden müssen.

Werden Projektdokumentationen und Verwendungsnachweise angefertigt? Wenn ja, wann und durch wen?

Ziel und Wunsch ist es in der Regel, durch künstlerische Projekte und Kooperationen Spuren an der Schule zu hinterlassen. Andererseits geht es am Ende eines Projektes oder der Zusammenarbeit meist auch darum, Spuren zu beseitigen. Hierzu sollte rechtzeitig geklärt werden, welche Reinigungs- und Aufräumarbeiten erledigt werden müssen und in welchem Zustand die genutzten Räume wieder an die Schule oder die Hausmeister*innen übergeben werden sollen.

Ist wirklich das Ende erreicht, geht es um angemessene und gebührende Formen des Abschiednehmens und darum, Danksagungen auszusprechen.

Je nachdem wie lange eine Zusammenarbeit andauert, können enge Bindungen geknüpft und Vertrauensverhältnisse aufgebaut werden. Somit kann es durchaus wichtig sein, sich der eigenen pädagogischen Verantwortung im Kontext Schule bewusst zu sein und etwa Schüler*innen frühzeitig auf den bevorstehenden Abschluss hinzuweisen.

Von Anfang an oder aber im Prozess kann der Wunsch be- oder entstehen, mit den Beteiligten in Kontakt zu bleiben oder die Kooperation fortzuführen. Welche Formen der Kontaktaufnahme sind nach dem Projektabschluss möglich und erwünscht?

Projekte abschließen oder weiterführen?
Oh, herrje. Das war wirklich schön und vor allem sehr wichtig. Natürlich kam die eingeschworene KLAUS-Bande vorbei: Hauptsächlich ließen sie die ganze Zeit verlauten, dass KLAUS nicht gehen dürfte und dass sie KLAUS vermissen würden und dass wir all die Sachen doch jetzt nicht einfach entfernen dürften und ob wir nicht doch eine Spendenaktion starten sollten, um KLAUS an der Schule zu retten. Es ist so rührend… Diese Kids haben KLAUS geliebt und das, was sie sagen, zeigt mir, dass etwas hängenbleibt.
Theresa Herzog, Künstlerin
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Material

Downloadmaterialien und Hilfestellungen

Folgende Materialien können bei der Planung und Gestaltung eines Artist-in-Residence-Programms hilfreich sein.

… und wie gelingt nach einer erfolgreichen Kooperation die konkrete Zusammenarbeit zwischen Lehrer*innen und Künstler*innen innerhalb des Unterrichts?

Hier geht es weiter zum Kapitel „Zusammenarbeit im Unterricht“

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