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Idee
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Idee

„Tschick“ – Vom Buch zur Idee für eine Veranstaltung

Der Roman „Tschick“ von Wolfgang Herrndorf steht im Mittelpunkt der hier vorgestellten Veranstaltung.
Mittels Interviews und Rezensionen werden zunächst folgende Fragen geklärt:
Worin besteht die künstlerische Qualität des Buches?
Welche thematischen Schwerpunkte sind für die Veranstaltung wichtig?
In welcher Beziehung stehen die literarischen Mittel und die Veranstaltungsidee?

Über „Tschick“ – Komisch-beharrliches Reden über Ungesagtes

Tschick“ erschien 2010 und lag im Frühjahr 2011 bereits in der 7. Auflage vor. Es kommen keine „Biss“e vom Morgengrauen bis zur Mitternacht vor und die Umschlaggestaltung lässt auf keinen Hype schließen. Sollte wirklich literarische Qualität Ursache des Erfolgs sein?
Das Besondere dieses Adoleszenzromanes ist die Art und Weise, wie Herrndorf seinen Ich-Erzähler eigenes und das Elend der Welt nicht verstehen, aber beharrlich darüber reden lässt. Hinter undistanziert-frech-rotzig-dissonant Dahergeredetem liegt stets Unausgesprochenes, Nichtsagbares, aber schmerzhaft Vorhandenes. Schon die Anfangssätze lassen aufhorchen, obwohl es übel riecht (zur Ergänzung: Ort der Handlung ist eine Polizeidienstelle, wo der Held nach einem Autounfall verhört wird): „Als Erstes ist da der Geruch von Blut und Kaffee. Die Kaffeemaschine steht drüben auf dem Tisch, und das Blut ist in meinen Schuhen.“

Ruckediguh, Blut ist im Schuh? So rot wie Blut, so schwarz wie …? – Fehlanzeige! Alles bedeutungsvoll Klingende wird im nächsten Satz gekippt. Hier handelt es sich um Pisse, die das Bein runterpieselt, gemischt mit dem Blut des Erzählers. Peinlich für den Erzähler, anrührend für die Leser*innen. Und in dieser Melange funktioniert der ganze Text. Herrndorf hat ein untrügliches Gespür für Reduktion. Er lässt die Dinge erzählen, redet nicht über sie, spielt gekonnt mit Gesagtem und Gemeintem. Vorwärtsdrängendes Handlungs- und Erzähltempo – eigentlich wird rückblickend erzählt – lassen dem/der Leser*in keine Chance auszusteigen. Man sitzt mit drin im geklauten Lada und kurvt mit den 14-jährigen Protagonisten durch Berlin, Brandenburg beziehungsweise die Walachei, wobei letztere nach Meinung des Ich-Erzählers Maik gar nicht existiert (für Literaturkenner*innen: Heimat von Dracula). Der abgefahrene Dialog um Existenz- beziehungsweise Nichtexistenz dieser Landschaft, wo angeblich Tschicks Großvater beheimatet ist, obwohl Tschick Russe ist, zeigt Herrndorfs sicheren Umgang mit dem Komischen. Die Helden haben null Ahnung von irgendwas, vertreten diese jedoch mit Vehemenz und werden trotzdem nie vorgeführt. Und dann blickt Maik, selbsterklärter Langweiler und Psycho, plötzlich von einer Aussichtsplattform ins Land – und Erde und Erzähltempo stehen still. Meist ballert danach gleich wieder jemand in der Gegend rum oder ein Reifen platzt, aber hier lässt es Herrndorf dabei und beendet das Kapitel. Es gäbe viele Adjektive für die Qualität dieses Textes, aber da der Autor verstärkende Adjektive meidet wie der Teufel das Weihwasser, wird auch hier darauf verzichtet.
Nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2011, Sparte Jugendbuch, ist „Tschick“ kein intendiertes Jugendbuch. Sensible Leser – gemeint sind solche jeden Alters – wissen: so ist man nicht nur mit 14, später tarnt man sich nur besser.

Claudia Rouvel in: „Der Rote Elefant“, Nr. 29, 2011

Leseeindruck, literarischer Ort und Erzählweise inspirieren zur Vermittlungsidee
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Durchführung

Von der Idee zur Durchführung der Veranstaltung

Wie werden Nähe und Distanz zu literarischen Figuren angeregt?
Wie werden Als-Ob-Situationen für das Verständnis von Handlung und Figuren genutzt?
Wie wird der dramaturgische Rahmen der Veranstaltung entwickelt und eingesetzt?

In Veranstaltungsmitschnitten, Fotos, Interviews und Zitaten von Beteiligten sowie in einem Erklärfilm wird deutlich, wie die Idee umgesetzt wurde und welche Wirkungen bei den Schüler*innen zu beobachten waren.

(K)Einer wie wir – Wie werden Nähe und Distanz zu literarischen Figuren angeregt?

Der Vergleich der literarischen und eigenen Lebenswelt provoziert Erwartungen

Wir haben die Schülerinnen und Schüler gefragt, aus welchen Gründen man eine solche Reise antreten könnte. Dass man abhaut oder von zu Hause weg will, war für viele schwer vorstellbar. Was sicher für ihre Familiensituation spricht. Viel Fantasie zeigten sie dagegen beim Reisegepäck. Von der Powerbank für den Energienachschub bis zur Problematik der Handyortung wurde da intensiv diskutiert.
Inga Mecking, Lehrerin (Bremen)

Erfahrungen auf Augenhöhe – Wie werden Als-Ob-Situationen für das Verständnis von Handlung und Figuren genutzt?

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Es war beeindruckend, wie ernsthaft die Schüler und Schülerinnen in ihre Rollen eingestiegen sind. Alle waren verkleidet, mit Isolierband wurden – wie im Buch – Bärte geklebt und eine Gruppe verwendete es sogar, um Zahlen und Buchstaben auf dem Nummernschild zu verändern. Auch das Miteinander war beeindruckend. Einem Jungen, dem auf die Frage des Polizisten nicht so schnell eine Antwort einfiel, sprang ein Mitschüler bei und sagte schlagfertig: Mein Onkel ist taubstumm.
Ina Mecking, Lehrerin (Bremen)

Von Erwartungen und Erfahrungen – Wie wird der dramaturgische Rahmen der Veranstaltung entwickelt und eingesetzt?

Ich habe am Ende des Projektes gefragt, wer das Buch für sich gern weiterlesen würde und die Hälfte der Schülerinnen und Schüler war daran interessiert. Und das bei einer Schülerschaft, zu deren Hobbies Lesen nicht zählt, die dies als Freizeitbeschäftigung kaum kennen.
Kai Thielmann, Lehrer (Bremen)
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Übertragbarkeit

Vom Anschauungsmaterial in die Unterrichtspraxis

Wie lässt sich das Veranstaltungskonzept in den Schulalltag integrieren?
Wie unterstützen Als-Ob-Situationen das Textverständnis?
Welches Potenzial bietet das Vorlesen in höheren Klassenstufen?

Eine Berliner Lehrerin berichtet aus ihrer eigenen Veranstaltung und stellt Ideen zur Weiterarbeit vor.

Erfahrungen aus dem Transfer

Weiterführende Ideen

Wie kann die Weiterarbeit mit dem Buch aussehen?

Einladung zum Ausprobieren – Das interaktive Quiz

Machen Sie mit!
Um am Mittagstisch der Familie Fröhlich einen möglichst großen Nachtisch zu erhalten, mussten folgende Fragen schnell und richtig beantwortet werden. Maik und Tschick stellte diese Aufgabe vor einige Probleme. Wie würden Sie abschneiden?

Was bekam Merope Gaunt für Slytherins Medaillon?
Wie hieß das Forschungsschiff Alexander von Humboldts?
Wer war der erste deutsche Bundespräsident?
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Material

Downloadmaterialien

Sie haben Lust, dieses Veranstaltungsformat zu „Tschick“ selbst umzusetzen?
Hier finden Sie das nötige Material:

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