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Idee
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Idee

Schule trifft Musiker*innen – Wie Partnerschaften Perspektiven schaffen

Im Kunstlabor Musik bildet die persönliche Beziehung zwischen Schüler*innen und Profimusiker*innen die Grundlage für alle Projekte. Das Zukunftslabor – eine Initiative der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen – beschreibt die Partnerschaft zwischen dem Weltklasse-Orchester und der Gesamtschule Bremen-Ost. Gemeinsam unter einem Dach kooperieren die beiden Einrichtungen auf vielfältige Weise. Bei allen gemeinsamen Aktivitäten geht es zunächst um das Interesse dafür, was der oder die jeweils andere macht. Die Musik als Praxis (zum Beispiel das Spielen eines Instruments) spielt dabei eine untergeordnete Rolle.

Grundprinzipien für Begegnungen zwischen Schüler*innen und Musiker*innen sind Regelmäßigkeit und Kontinuität.

Darauf aufbauend entwickeln sich Patenschaften zwischen Schulklassen und Musiker*innen, die allen Beteiligten die Möglichkeit geben, über einen längeren Zeitraum Kontakt zu halten. Musiker*innen besuchen den Unterricht und schauen ihrer Patenklasse im Schulalltag über die Schulter. Im Gegenzug dürfen Schüler*innen Proben ihrer Pat*innen besuchen. Diese Probenbesuche werden inhaltlich von den Patenmusiker*innen mit vorbereitet und gemeinsam mit der Lehrkraft betreut.

Die gegenseitigen Besuche und das dadurch etablierte Vertrauensverhältnis bilden die Basis für alle weiteren Formate des Zukunftslabors.

Warum sind Alltagsbegegnungen so wichtig?

Dass eine Schule keine abgelegene Lerninsel sein muss, darüber sind sich alle einig. Schüler*innen brauchen Bezüge zu ihrer Lebenswelt, um gemeinsam zu lernen. – Warum also neben Ausflügen und Praktika nicht einmal Gäste in die Schule holen? Und sie so aufnehmen, dass sie sich ganz und gar zu Hause fühlen? So entsteht ein Miteinander, was im Fall der Gesamtschule Bremen-Ost und den Musiker*innen der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen zu ganz besonderen Erlebnissen geführt hat. Den kleinsten gemeinsamen Nenner bilden gegenseitige Besuche: Musiker*innen besuchen ihre Patenklasse, die Schüler*innen werden zu Probenbesuchen eingeladen.

Und wer glaubt, eine solche Wohngemeinschaft sei einzigartig, irrt: mittlerweile gibt es einige, die dem Modellprojekt des Zukunftslabors gefolgt sind und ebenfalls langfristige Partnerschaften mit Musiker*innen eingegangen sind.

Skepsis und Neugier – Wie alles begann

Die Musiker*innen waren skeptisch, ihren Probenort in eine Schule zu verlegen. Ein Sinfonieorchester gehört in eine schicke Konzerthalle im Zentrum – und nicht in einen Problemstadtteil. Von Schulseite kamen auch Bedenken auf: Musiker*innen beim Üben zuhören müssen? Ein elitäres Sinfonieorchester mit teuren Instrumenten hier im Stadtteil? Eine Schule und ein Orchester in einem Gebäude? Das ist doch absurd. – Oder?
Wir haben ja das Glück, im Rahmen unserer weltweiten Tourneen an sehr viele privilegierte Orte dieser Welt zu reisen. Wir kommen dort mit Menschen in Kontakt, die Klassische Musik lieben, die uns dort engagieren, die uns viel Applaus geben. Aber dann kommen wir zurück in einen ganz normalen Schulalltag. Und das empfinden wir auch als Glück, als eine Art Anker. Wir sind wieder angekommen im ganz normalen Leben, das uns bereichert und uns erdet.
Ulrike Höfs, Querflötistin der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen
Wir als Schule profitieren auf vielerlei Weise von der Zusammenarbeit mit dem Orchester. Vor allem die Arbeit an gemeinsamen Projekten führt dazu, dass wir in den Klassen einen größeren Zusammenhalt haben; wir haben Ruhe zu unterrichten. Wir haben insgesamt ein Konzentrationslevel erreicht, das wir vor zehn Jahren so nie erwartet hätten. Das beeinflusst das ganze Schulleben und die ganze Schulatmosphäre positiv.
Hans-Martin Utz, Schulleiter der Gesamtschule Bremen-Ost

Über die kurzen Wege zwischen Mensa, Klassenzimmer und Probenraum
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Durchführung

Wie organisiert man die Begegnungen und worauf kommt es dabei an?

Gegenseitige Besuche von Schule und Orchester erfordern immer eine gute Planung: Wer ist wann da, wer hat wann Zeit … Probenpläne eines Orchesters sind sehr komplex, kurzfristige Änderungen immer möglich. Im Gegensatz dazu steht der Stundenplan einer Schule bereits weit im Voraus fest und spontane Sonder-Termine erfordern viel Koordinationsaufwand.

Doch der Aufwand lohnt sich: für die Lehrkräfte ist es jedes Mal ein kleines Wunder, wenn ihre Schüler*innen auf der Probebühne zwischen den Musiker*innen verschwinden – und plötzlich mucksmäuschenstill sind.

Damit sich eine Routine und auch eine eigene Dynamik der Treffen entwickeln kann, gilt: es geht um persönliche Begegnungen und darum, sich auf eine neue Umgebung einzulassen. Es geht nicht um eine „Vorführung“, sondern um das Erleben des ganz normalen Alltags der Musiker*innen, mit allen Unebenheiten und Risiken.

Patenklassen als Momente der Begegnung

In den Patenklassen geht es vor allem um ein einfaches Kennenlernen und miteinander Vertrautwerden. Musiker*innen berichten von ihrem Alltag und kommen mit den Schüler*innen ins Gespräch. So lernen auch die Musiker*innen die einzelnen Schüler*innen besser kennen und haben eine besondere Beziehung zu „ihrer“ Patenklasse. Vielleicht gibt es dann zum Beispiel mal eine Postkarte an die Klasse aus Shanghai, London oder Paris? Oder auch ein Mitbringsel von einem besonderen Kammermusikkonzert aus der nächsten Kreisstadt?

Hier berichten eine Schülerin und Lehrkräfte über den Kontakt zu Paten-Musiker*innen.

Oftmals bilden Patenschaften den Anfang für gemeinsame Projekte von Klassen und Orchestern, zum Beispiel in Formaten des Klassenmusizierens oder in der Stadtteil-Oper. Zudem können Musiker*innen ihre Patenklassen in deren eigenen Projekten durch musikalische Beiträge unterstützen.

Was kann ich als Musiker*in mit meiner Patenklasse unternehmen?

Manche Musiker*innen lauschen einfach nur dem Mathe- oder Französischunterricht ihrer Patenklassen. Sie zeigen allein durch ihre Anwesenheit Interesse am Alltag und an der Lebenswelt der Schüler*innen. Insbesondere bei jüngeren Klassen stellen Musiker*innen auch gerne ihre Instrumente vor. Manchmal, zum Beispiel in Musikklassen oder wenn bestimmte Anlässe oder Probenbesuche dies anbieten, wird auch gemeinsam musiziert. Der Gestaltung dessen, was innerhalb einer Patenschaft passiert, sind keine Grenzen gesetzt. Weitere Ideen und Hinweise finden Sie in der Checkliste bei Klick auf den Info-Button links!
In Patenklassen geht es oft um die ganz menschliche Begegnung
In Musikklassen können Patinnen und Paten auch musikalisch unterstützen

Probenbesuche: Schüler*innen inmitten des Orchesters

Fast jedes Orchester bietet mittlerweile Probenbesuche an. Oftmals wird den teilnehmenden Schulklassen auch eine Einführung angeboten, manchmal dürfen die Schüler*innen sogar mitten im Orchester sitzen. Die Probenbesuche des Zukunftslabors sind zwar ähnlich angelegt, verfolgen jedoch ein anderes Ziel:

Hier geht es nicht nur um ein einmaliges Ereignis, das anstelle eines Museumsbesuchs oder an einem Wandertag als Event stattfindet. Angedacht ist, eine langfristige Kooperation zwischen den Musiker*innen und Schüler*innen aufzubauen. Dazu gehört in erster Linie, dass die Schüler*innen von ihren eigenen Pat*innen eingeladen und von allen Beteiligten gleichermaßen willkommen geheißen werden: von Musiker*innen, den betreuenden Orchesterwärt*innen, Techniker*innen, Solist*innen und Dirigent*innen.

Mitten im Orchester, kann das wirklich funktionieren?

Die Liste der Befürchtungen bei Probenbesuchen kann auf beiden Seiten lang sein. Insbesondere Profi-Musiker*innen müssen sich vielleicht erst daran gewöhnen, dass während ihrer konzentrierten Arbeit Schüler*innen zwischen ihnen sitzen. Doch die Erfahrung des Zukunftslabors zeigt, dass es sich lohnt, den Schritt zu wagen! Mit der richtigen Vor- und Nachbereitung sind die Schüler*innen fasziniert vom Geschehen und lauschen über die vereinbarte Zeit, ohne die Arbeit des Orchesters zu beeinträchtigen.
Und die Wirkung dieses Erlebnisses ist bei den Schüler*innen besonders groß!

Wie werden die Probenbesuche organisiert?

Das Orchester lädt regelmäßig von sich aus Schulklassen ein, an Orchesterproben teilzunehmen. Dazu bietet das Orchester gewisse Probentermine zur Auswahl an. Da Orchester einen komplexen und unflexiblen Probenplan haben, muss sich die Schulklasse nach diesen Zeiten richten und Überschneidungen zwischen Proben- und Unterrichtszeiten finden. Wenn Proben verschoben werden müssen oder sich die Planung auch einmal über ein halbes Jahr hinzieht, ist das nicht ungewöhnlich.

Welche Art von Einführung die Klasse bekommen soll, besprechen die Pat*innen gemeinsam mit den Lehrkräften. Die teilnehmenden Schüler*innen nehmen auf zusätzlichen Stühlen im Orchester zwischen den Musiker*innen Platz. So erleben sie die Probe hautnah mit.

Bei Kammerensembles oder einzelnen Musiker*innen, die eine Patenschaft übernehmen, sind die Probenbesuche viel einfacher zu organisieren. Es ist auch denkbar, dass eine Schulklasse beispielsweise bei der Vorbereitung eines Solorezitals oder eines Liederabends zuhört. Je weniger Musiker*innen beteiligt sind, desto leichter ist es, mit den Schüler*innen unmittelbar während oder nach der Probe ins Gespräch zu kommen.

Orchesterproben dauern in der Regel 1,5 bis 2 Stunden. Die Schüler*innen sind von Anfang an dabei und verlassen nach Absprache die laufende Probe nach 20, 30 oder 45 Minuten. Erfahrene Schulklassen sind unter Umständen auch während der gesamten Probe mit dabei.

Was ist bei einem Konzert- oder Probenbesuch eigentlich relevant?

Den Musiker*innen sind regelmäßige Probenbesuche ein großes Anliegen. Die Schüler*innen spüren die Energie und die Überzeugung der Spieler*innen. Die Leidenschaft, mit der sie bei der Sache sind, ist beeindruckend und ansteckend. Die Intensität, mit der Musiker*innen musizieren, ist vielen Schüler*innen aber auch fremd. Bei ihren Probenbesuchen lernen die Schüler*innen, sich auf ungewohnte Höreindrücke einzulassen und genau hinzuhören.

Ein Probenbesuch bietet für die Schüler*innen Gelegenheit, Musik als lebendige Praxis emotional zu erleben. Es geht nicht um Wissensvermittlung, auch wenn Musiker*innen und Lehrkräfte dies manchmal unbewusst in den Vordergrund stellen. Wenn Schüler*innen ihre ganz persönliche Erfahrung mit der Musik gemacht haben, können Anknüpfungspunkte zum Lehrplan gesucht und sicherlich auch gefunden werden.

Weitere Informationen zur Vorbereitung eines Probenbesuchs finden Musiker*innen in diesem Dokument zum Download, sowie durch Klick auf den Info-Button links.

So erleben Schülerinnen die Probenbesuche im Orchester
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Übertragbarkeit

Wie können Sie ein ähnliches Projekt initiieren?

Das Interesse an einer kontinuierlichen Zusammenarbeit ist bei vielen kulturellen Einrichtungen im ganzen Bundesgebiet vorhanden. Institutionen sind aber auch auf gezielte Anregungen angewiesen und dankbar für konkrete Wünsche. Zahlreiche Dachverbände und Organisationen können zudem im ländlichen Raum bei der Suche nach Musikerinnen und Musikern helfen.

Öffentliche, städtische Orchester oder auch Ensembles der Rundfunkanstalten haben die herausfordernde Aufgabe, allen Schulen passende Angebote zu machen und sicherzustellen, dass jede Schule die Chance der Teilnahme bekommt. Wenn aus diesem Grund keine langfristigen Kooperationen mit einer Schule aufgebaut werden sollen: es gibt zahlreiche freischaffende Musiker*innen, die in diesem Falle besser geeignet sein können.

Kontinuierliche Zusammenarbeit mit Profimusiker*innen kann viele Gesichter haben. Das Zukunftslabor möchte vor allem inspirieren, eigene Wege zu gehen.

Die Kammerakademie Potsdam und das Orchestre National Tunisien haben bereits eigene Wohngemeinschaften gegründet. Das Philharmonische Orchester Freiburg ist eines der Orchester, das langfristige Partnerschaften unterhält. Im Bereich Frühkindliche Bildung ist der Musikkindergarten Berlin ein Vorbild, auch im Bezug auf die Arbeit mit freischaffenden Musiker*innen.

Was verbindet die zwei so verschiedenen Einrichtungen Schule und Orchester?

Ein Sinfonieorchester in einer Schule? Passen diese Welten überhaupt zusammen?

Als das Zukunftslabor entstand und erstmals in Deutschland ein Sinfonieorchester in eine Schule zog, gab es viele Zweifler*innen auf beiden Seiten: Dirigent*innen und Solist*innen in einer Schulmensa? Teure Instrumente in einem Stadtviertel, das nicht eben als sicher gilt? Lärmende und rennende Schüler*innen, während die Profis eine CD aufnehmen wollen – und genervte Lehrkräfte und Schüler*innen, die während der Klausur kein Fenster öffnen können, weil nebenan für die Japan-Tournee geprobt wird?

Gemeinsamkeiten entstehen im gemeinsamen Handeln – die Sicht des Geschäftsführers und des Schulleiters

Am Anfang stellte sich allen – Musiker*innen, Lehrkräften, der Schulleitung und der Geschäftsführung des Orchesters – die Frage, ob sich die vielen Unterschiede zwischen Kultur- und Bildungseinrichtung überbrücken oder vielleicht sogar nutzen lassen. Inzwischen zeigen die Erfahrungen, wie sehr sich die beiden Institutionen sogar gegenseitig bereichern können – wenn Offenheit besteht und Anfangsschwierigkeiten überwunden werden.

Überzeugungskraft dank eines größeren Ziels

Auch wenn man „nur“ eine Patenschaft für eine Schulklasse plant, hilft es vielleicht, den größeren Kontext dieser Begegnung im Blick zu haben. Es scheint wichtiger denn je, zu lernen, wie man sich mit etwas Andersartigem auseinandersetzt. Je größer der Unterschied, desto größer die Herausforderung – aber desto größer auch das Potenzial.

Im Zukunftslabor zeigt sich dies an der enormen Entwicklung, die sich auf beiden Seiten der Partnerschaft über die Jahre vollzogen hat. So erfuhr die Schule im Zuge der sich intensivierenden Zusammenarbeit einen Aufschwung in vielen Bereichen; die Schüler*innenzahl stieg deutlich an (inzwischen besuchen viele Kinder aus ganz Bremen die Schule trotz des weiten Anfahrtswegs in den Rand-Stadtteil), die Instrumentalklassen wurden ausgebaut, neue Unterrichtsmethoden wurden eingeführt und das Curriculum vielfältig weiterentwickelt, schließlich eine Oberstufe eingeführt. Das inzwischen sogar im Bundesvergleich herausragende Niveau der Gesamtschule wurde 2018 durch die Auszeichnung beim Deutschen Schulpreis unter Beweis gestellt. Bei der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen entstand das Zukunftslabor als eigene Management-Abteilung und die lokale Arbeit des Weltklasse-Orchesters an der Schule stellt heute einen wichtigen Bestandteil der Orchester-‚DNA‘ dar. Unter den Musiker*innen entwickelten sich viele eigene Initiativen und Kontakte, innerhalb der Schule aber auch in der Umgebung. Einzelne Musiker*innen engagieren sich jedes Jahr bei der Weihnachtsfeier des Stadtteil-Mütterzentrums mit musikalischen Beiträgen. Andere übernehmen private Patenschaften für Instrumentalschüler*innen im Stadtteil-Verein, um diesen das Erlernen eines Instruments zu finanzieren.

Arbeiten im sozialen Kontext als Arbeitsprinzip macht sich diese Tatsache dann auch in einem größeren Zusammenhang in Form von Projekten mit einem ganzen Stadtteil zu nutze.

Wie finde ich eine*n Kooperationspartner*in?

Auf den ersten Blick scheint es einfacher, Patenmusiker*innen in Städten zu finden. Schließlich gibt es hier die öffentlichen Orchester und Chöre! Natürlich gibt es in der Stadt mehr Menschen, also auch mehr Musiker*innen. Doch es geht auch unpersönlicher zu, und selbst wenn es ein Orchester gibt: es gibt zahlreiche Schulen und Klassen, die „ihr“ städtisches Orchester in Anspruch nehmen möchten. Da ist es mit der persönlichen Bindung unter Umständen schwierig.

Auf dem Land hingegen gibt es andere Möglichkeiten: Musikschulkräfte, Kirchenmusiker*innen, einen Leiter einer Blaskapelle oder eine Sängerin, die mit ihrer Familie im Dorf wohnt – und die sich gerne bereiterklären, eine Patenklasse der Haupt- und Werkrealschule zu übernehmen. Vor Weihnachten besucht die Klasse dann beispielsweise eine Probe zum Weihnachtsoratorium.

Deutschlandkarte der öffentlich finanzierten Orchester („Musikatlas“ des Deutschen Musikrats)

Vielleicht möchten Sie auch diese Vorlage für einen Aushang für die Suche nach einer Partner-Einrichtung nutzen!

Wissenswertes für Lehrkräfte, die ein ähnliches Projekt initiieren möchten:

Grundsätzlich: ja. Musiker*innen haben einen Beruf, und sie entscheiden selbst, ob sie sich ehrenamtlich engagieren möchten. Vielleicht tun sie das lieber im Sportverein, als „kostenlos“ ihrem Beruf nachzugehen. Es ist außerdem ein Zeichen der Wertschätzung, dass sie für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen genauso bezahlt werden, wie für ein Sinfoniekonzert. Beides ist gleichermaßen anspruchsvoll und erfordert dieselbe Konzentration und Hingabe.

Wer die Kosten zu welchem Anteil übernimmt und wie die entsprechenden Gelder akquiriert werden, ist aber von Fall zu Fall unterschiedlich und sollte von beiden Partner*innen gemeinsam entschieden werden.

Die Frage der Finanzierung ist für alle Arten der Zusammenarbeit im Kunstlabor Musik relevant und wird auf dem Merkblatt Finanzierung durch Drittmittel – Chancen und Möglichkeiten eingehender beleuchtet.

Es gibt grundsätzlich zwei Möglichkeiten, geeignete Pat*innen zu finden: über eine Kulturinstitution (Sinfonieorchester, Opernorchester, Rundfunkorchester) oder freischaffende Musiker*innen und freie Ensembles. Freischaffende Musiker*innen und Sänger*innen gibt es viel mehr, als man denkt. Nur ein sehr kleiner Prozentsatz aller Musiker*innen ist in einem öffentlichen Orchester wie zum Beispiel beim Rundfunk oder beim städtischen Theater angestellt. Freischaffende Musiker*innen sind nicht kollektiv organisiert, aber es gibt Dachverbände wie den Tonkünstlerverband, der Instrumentalpädagog*innen vertritt.

Wenn beim ersten Kontaktversuch keine unmittelbare Reaktion kommt: nachhaken! Sicherlich wird Ihre Anfrage ungewöhnlicher sein als die Anfrage für ein Konzert oder für einen Unterrichtsplatz. Deswegen: geben Sie den Künstler*innen etwas Zeit und fragen Sie mehrmals freundlich nach.

Vielleicht möchten Sie die zuvor genannte Vorlage für einen Aushang für die Suche nach einer Partnerinstitution nutzen.

Wenn Sie bei einer größeren Institution wie beispielsweise einem städtischen Sinfonieorchester oder einem Rundfunkorchester anfragen, gibt es meist konkrete Ansprechpartner*innen in Bereichen wie „Education“ oder „Musikvermittlung“.
Allerdings bieten diese Institutionen immer ein eigenes Programm an, das in den Spielplan des Orchesters mit eingebaut ist. Auf Anfragen außer der Reihe können die Mitarbeiter*innen deswegen in manchen Fällen vielleicht nicht eingehen. Sie werden auf das bestehende Programm verweisen. Es gibt mittlerweile einige Institutionen, die auch ganzjährige Partnerschaften anbieten. Es ist jedoch immer noch unüblich, eine wirklich nachhaltige, mehrjährige Partnerschaft einzugehen. Eine Möglichkeit könnte deshalb sein, direkt mit den Musiker*innen Kontakt aufzunehmen. Darüber können Sie mit den Ansprechpartner*innen aus dem Vermittlungsbereich sprechen.

Die räumliche Nähe der Musiker*innen ist ein sehr wichtiges Kriterium. In fast jedem Ort, auch auf dem Land, kann man geeignete Menschen finden, die eine Patenklasse übernehmen könnten: gibt es eine Musikschule, deren Lehrende in einem kleinen Ensemble spielen? Gibt es einen Kirchenmusiker oder eine Kantorin? Gibt es eine Kulturreihe vor Ort mit wiederkehrenden Kammermusikgruppen? Gibt es Bekannte, Studienfreund*innen, Kontakte des Kollegiums? Auf jeden Fall sollte man die Musiklehrkräfte fragen, ob ihnen jemand einfällt!

Der Kontakt sollte mindestens zweimal im Schuljahr stattfinden, und nach Möglichkeit natürlich die ganze Schullaufbahn hindurch. Mindestens aber solange, wie die Klassenlehrer*innen ihre Klassen betreuen. Erst dann kann sich ein wirkliches Vertrauensverhältnis aufbauen, das die Erfahrungen und Entwicklungen der Schüler*innen und die Klassengemeinschaft auch nachhaltig prägt.

Die Suche nach geeigneten Pat*innen kann sicherlich einige Wochen in Anspruch nehmen. Der Besuch an sich sollte in dem Maße vorbereitet werden, dass sich die Schüler*innen angemessen darauf einstellen können. Das kann beispielsweise in einem Teil einer Schulstunde geschehen, durch eine Hausaufgabe oder auch eine kleine Unterrichtseinheit. Außerdem sollte ein Projekttag/Klassenausflug zur Verfügung stehen, um den Paten/die Patin zu besuchen.

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Material

Material zum Download

Hier finden Sie die Leitfäden und Hinweis-Blätter zusammengefasst, die Sie bei der Realisierung einzelner Ansätze im eigenen Kontext unterstützen können.

… und wie kommt man aufbauend auf Alltagsbegegnungen ins gemeinsame Musizieren?

Dazu mehr in unserem Projektbeispiel „Klassenmusizieren“!

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