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Idee
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4. Qualitätsbereich: Die Beziehung zwischen Schüler*innen, Kunst- und Kulturschaffenden und Lehrer*innen

In der künstlerischen Arbeit spielt die Erfahrung des persönlichen und individuellen Ausdrucks eine wesentliche Rolle.
Daher ist eine wichtige Bedingung für die Qualität künstlerischer Prozesse in Schulen, dass die Beziehung zwischen allen Beteiligten vertrauensvoll und offen ist.

Welche Rolle spielt der Faktor Beziehung im künstlerischen Prozess und durch welche Aspekte wird diese Beziehung beeinflusst?

Der Aufbau einer offenen und vertrauensvollen Beziehung benötigt Zeit und den geeigneten Raum. Dabei geht es weniger um einen realen Ort, als viel mehr um den kreativen Freiraum, der es allen Beteiligten ermöglicht, eine vertrauensvolle und verlässliche Beziehung aufzubauen.
Außerdem stehen Schulen vor vielfältigen Herausforderungen. Wie künstlerisches Arbeiten bei der Bewältigung dieser Herausforderungen einen wichtigen Beitrag leisten kann, können Sie in unserem Ratgeber „Kunstlabore: Für mehr Kunst in Schulen!“ (ab Januar 2020 erhältlich) im Kapitel „Schulen im 21. Jahrhundert“ nachlesen.

Für die Entwicklung einer gemeinsamen Beziehung sind zwei Faktoren von zentraler Bedeutung:

1. Dauer und Verlässlichkeit

Wie befördern dauerhafte, verlässliche Angebote die Beziehung der Beteiligten und damit auch die Qualität der Arbeit?

Vereinfacht gesagt: Je länger und regelmäßiger ein Angebot in Schulen existiert, desto enger kann die Beziehung zwischen allen Beteiligten werden.

Jedes Projekt und Format bringt andere Bedingungen und Chancen mit sich. Allen gemeinsam ist jedoch eine Tatsache:
Der Aufbau von Beziehungen braucht Zeit und ist bedeutsam für die Gestaltung qualitätsvoller künstlerischer Prozesse an Schulen.

Denn nur mit ausreichend Zeit und Raum ist es möglich…

  • Vertrauen unter den Beteiligten aufzubauen
  • Schüler*innen den richtigen Zeitpunkt für die Teilnahme am Projekt zu ermöglichen
  • und die künstlerische Qualität der Arbeit zu steigern.

Wie das gelingen kann, erfahren Sie hier:

Vertrauen aufbauen

Zeit und Zuverlässigkeit sind zentrale Faktoren für den Aufbau einer vertrauensvollen Beziehung.
Durch die Kontinuität eines Angebots und die Zusammenarbeit mit gleichbleibenden und zuverlässigen Bezugspersonen kommt es zum Vertrauensaufbau und zwischenmenschliche Beziehungen können entstehen.

Es braucht jedoch Zeit, um eine vertrauensvolle Basis für diese Zusammenarbeit zu schaffen: Zunächst müssen Künstler*innen das System Schule kennenlernen und sich darauf einlassen können. Und auch Lehrer*innen benötigen Zeit, um sich für das „Neue“ zu öffnen und es zu verinnerlichen, um später selbstständig einiges davon übernehmen und umsetzen zu können.
Nur so können die neuen Methoden und der künstlerische Input auf Dauer an der Schule implementiert werden.

Im Kunstlabor Bildende Kunst wurde aus diesem Grund für die Dauer eines Schuljahres ein Künstler*innen-Atelier in verschiedenen Schulen eingerichtet und erprobt (mehr dazu hier zum Thema „5. Qualitätsbereich: Der Raum“):

Beispielformat: Arbeiten im Atelier

Eine wichtige Erkenntnis war auch hier: Bis das Kunstatelier im Schulalltag wirklich wahr- und angenommen wurde, vergingen mehrere Wochen und Monate. Auf dem Weg dahin bewährte es sich beispielsweise, dass sich die Künstler*innen zu Beginn des Schuljahres auf der Lehrer*innenkonferenz vorstellten, Flyer, Plakate und bunte Tape-Hinweise im Flur platzierten, Ankündigungen per Lautsprecherdurchsage durch die Schule schickten und die Türen des Ateliers in den Pausen weit geöffnet ließen. Nachdem erste neugierige Schüler*innen das Atelier erkundet hatten und begannen, regelmäßig dort zu arbeiten, wurden gemeinsam künstlerische Pauseninterventionen durchgeführt, um in der Schule Aufsehen zu erregen.
Solche Künstler*innen-Ateliers, die von Künstler*innen innerhalb einer Schule betreut und auch als eigener Arbeitsort genutzt werden, sind langfristig angelegte Programme, die mindestens ein Schuljahr umfassen sollten. Nur so besteht die Möglichkeit, innerhalb dieses Formats Projekte mit Klassen oder Schüler*innengruppen anzugehen, Konzepte und Strategien über einen längeren Zeitraum weiterzuentwickeln und Ideen langsam gemeinsam reifen zu lassen.

Bis sich die Anwesenheit der Künstler*innen bei Lehrer*innen und Schüler*innen herumgesprochen hat, Anknüpfungspunkte erkannt und dann auch wirklich genutzt werden, vergehen häufig einige Monate. Auch innerhalb der konkreten Umsetzung von Ideen zwischen Schüler*innen, Künstler*innen und Lehrer*innen ist Zeit vonnöten, um sich kennenzulernen, Gespräche zu führen und Ideen zu entwickeln.

Beispielformat: Partnerschaften wagen

Im Kunstlabor Musik war und ist die Kontinuität der Partnerschaft zwischen Schule und Orchester Basis aller gemeinsamen Aktionen. Dies wird durch eine besondere Ausgangssituation ermöglicht: eine Wohngemeinschaft der Gesamtschule Bremen-Ost mit dem Orchester Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen im Schulgebäude. Schule, Probenräume und Konzertsaal gemeinsam unter einem Dach: so kooperieren die beiden Einrichtungen auf vielfältige Weise. Bei allen gemeinsamen Aktivitäten geht es zunächst um das Interesse dafür, was der oder die jeweils andere macht. Grundprinzipien für Begegnungen zwischen Schüler*innen und Musiker*innen sind Regelmäßigkeit und Kontinuität. Darauf aufbauend entwickeln sich Patenschaften zwischen Schulklassen und Musiker*innen, die allen Beteiligten die Möglichkeit geben, über einen längeren Zeitraum Kontakt zu halten. Über das Patenschaftsprinzip lernen die Schüler*innen die Musiker*innen und ihren Arbeitsalltag kennen. Musiker*innen übernehmen Patenschaften für einzelne Schulklassen, erzählen dort aus ihrem Alltag, laden die Schüler*innen zum Kennenlernen ihrer Arbeit, beispielsweise zu Probenbesuchen ein, schicken sogar Postkarten von Konzertreisen. Sie gehen aber auch gemeinsam mittags mit den Schüler*innen in der Schulkantine essen oder begegnen ihnen auf dem Pausenhof.

Die Schüler*innen lernen die Musiker*innen authentisch in ihrem Alltag kennen – als ganz normale Menschen, zu denen sie eine Beziehung aufbauen können. Diese Begegnungen, das daraus resultierende Vertrauen und der Respekt bilden die Basis für alle weiteren Aktivitäten zwischen Schule und Orchester, wie beispielsweise Singer-Songwriter-Workshops oder aufwendige Produktionen wie die Stadtteil-Opern.

Tipp: Das Patenschaftsprinzip hat sich bewährt und kann auch außerhalb des konkreten Beispiels mit Kunst- und Kulturschaffenden unterschiedlicher Sparten aufgebaut werden. Ortsansässige Künstler*innen können die Patenschaft einer Klasse übernehmen, sie regelmäßig besuchen und von ihrer Arbeit erzählen, sowie in einem weiteren Schritt die Klasse beispielsweise zu einer Ausstellung oder Bühnenaufführung einladen.

Den richtigen Zeitpunkt für die Teilnahme ermöglichen

Nicht in jeder Phase des Lebens sind Kinder und Jugendliche an einem künstlerischen Angebot interessiert. Deshalb macht es Sinn, künstlerische Angebote an Schulen regelmäßig anzubieten. Besteht ein künstlerisches Angebot in Schulen dauerhaft, entsteht das Vertrauen, dass die Kunst- und Kulturschaffenden als verlässliche Partner*innen auch längerfristig mit ihrem Angebot für die Schüler*innen da sind. So wissen die Kinder und Jugendlichen, dass sie auch zu einem späteren Zeitpunkt einsteigen und zum für sie und ihren Lebensweg individuell passenden Zeitpunkt mit künstlerischem Arbeiten in Berührung kommen können.

Ein Beispiel für die Vorteile, die ein dauerhaftes Angebot bietet, ist das Singer-Songwriter-Angebot des Kunstlabors Musik:

Beispielformat: Singer-Songwriter-Projekte

Für alle Schüler*innen der Gesamtschule Bremen-Ost existiert das regelmäßige Angebot, in Eins-zu-eins-Betreuung mit einer Musikerin oder einem Musiker einen eigenen Song zu erarbeiten. Abschließend werden die Songs dann gemeinsam mit dem Orchester aufgeführt; bei regelmäßig fest im Schuljahr eingeplanten Konzertabenden. So können die Jugendlichen nicht nur kontinuierlich während ihres Schulalltags gecoacht werden, sie bekommen auch regelmäßig die Gelegenheit, ihre Songs begleitet vom Profi-Orchester einem größeren Publikum zu präsentieren. Die Jugendlichen entscheiden in ihrer Schullaufbahn stets selbst, wann und ob der richtige Zeitpunkt für sie gekommen ist, zum Singer-Songwriter zu werden. Ein Angebot, das sich in Bremen bewährt hat.

Für mich als Lehrerin einer Inklusionsklasse war es eine große Freude zu sehen, dass sich einige meiner Schüler selbstständig dazu entschlossen haben, bei der Aufführung mitzumachen – ohne Klasse, nur eine Gruppe von drei Schülerinnen, und ohne mich als Lehrerin. Sie haben sich also wirklich getraut, so ein Projekt mit Fremden zu machen und selbstständig mit einem eigenen Song auf die Bühne zu gehen.
Deike Wursthorn, Sonderpädagogin und Lehrerin einer Inklusionsklasse an der Gesamtschule Bremen-Ost

Nicht überall ist eine solch großformatige Idee realisierbar; es empfiehlt sich jedoch in jedem Fall, möglichst lang angelegte Angebote einzurichten, dauerhaft mit Kunst- und Kulturschaffenden zusammenzuarbeiten und den Schüler*innen mit ihren eigenen Themen eine Bühne zu geben. Viele Schüler*innen brennen darauf, ihre eigenen Ideen verwirklichen zu können und selbst auf der Bühne zu stehen. Andere scheinen davon zunächst meilenweit entfernt zu sein. Durch die richtige Ermutigung, Unterstützung und vor allem langfristige Zusammenarbeit mit Kunst- und Kulturschaffenden sowie Lehrer*innen können sie Vertrauen fassen und Schritt für Schritt über sich hinauswachsen.

Künstlerische Qualität steigern

Welche weiteren Vorteile bietet es, langfristig mit Schüler*innen künstlerisch zu arbeiten?

Neben dem Aufbau von Vertrauen und der Ermöglichung des individuell richtigen Zeitpunkts für die Berührung mit künstlerischer Arbeit verstärkt die Dauerhaftigkeit eines künstlerischen Angebots in Schulen den Auf- und Ausbau künstlerischer Fertigkeiten sowohl bei den Schüler*innen als auch bei den Lehrer*innen. Dies führt oftmals zu einer höheren Qualität der künstlerischen Arbeit, da über einen längeren Zeitraum sowohl Wissen als auch das künstlerische Handwerk ausgebaut und verbessert werden können, beispielsweise die Kenntnisse künstlerischer Strategien zur Umsetzung eigener Projekte oder der Umgang mit dem eigenen Musikinstrument.

Ein Beispiel aus dem Kunstlabor Theater verdeutlicht, wie sich durch eine längerfristige Zusammenarbeit die Qualität der künstlerischen Arbeit weiterentwickeln kann:

Beispielprojekt: Fächerübergreifendes Stationentheater

Das Projekt „Fächerübergreifendes Stationentheater“ der Lessing-Stadtteilschule in Hamburg in Kooperation mit dem Thalia Theater wurde über einen Zeitraum von zwei Jahren umgesetzt.
Im ersten Jahr erprobte die Schule das fächerübergreifende Arbeiten in einem solchen Theaterformat erstmals mit dem Theater- und Kunstkurs. Dies mündete in einer erfolgreichen Inszenierung zum Thema „Heimat und Fremde“. Aufbauend auf den gemachten Erfahrungen und bestärkt durch die positiven Entwicklungen, sowohl hinsichtlich der fächerübergreifenden Projektorganisation als auch hinsichtlich der gemeinsamen inhaltlichen Entwicklung mit zwei verschiedenen Fachbereichen, entschied sich das Team aus Künstler*innen und Lehrer*innen im zweiten Jahr dazu, zusätzlich die Fächer Musik und Gesellschaft für eine neue Inszenierung mit einzubinden. Auch die beteiligten Schüler*innen konnten im Verlauf des Projekts ihre Kenntnisse und Fertigkeiten weiter ausbauen.
War der Theaterbegriff der Schüler*innen zu Beginn noch sehr klassisch geprägt, eröffnete die Auseinandersetzung mit zeitgenössischen Theaterentwicklungen und neuen Inszenierungsformen kreative Freiräume für sie, was zum Beispiel zur Inszenierung im ganzen Schulgebäude in Form eines Stationentheaters führte. Durch diese gesammelten Erfahrungen auf allen Seiten konnte sich die Qualität der Aufführung im zweiten Jahr noch einmal deutlich weiterentwickeln.

2. Einbindung in die Schulstruktur

Wie wird die künstlerische Arbeit in den Schulalltag und in die Schulstruktur eingebunden?

Damit die Dauer und Verlässlichkeit für künstlerisches Arbeiten im Schulalltag gewährleistet und künstlerische Arbeit zu einem festen Angebot in Schulen werden kann, sollten die Angebote im Idealfall zu einem festen Bestandteil der Schulstruktur werden und damit über einmalige Projektangebote hinausgehen.

Künstlerisches Arbeiten in Schulen bedeutet in der Regel einen Mehraufwand und bringt oftmals die bisherige Schulstruktur durcheinander. Besonders, wenn ein Angebot dauerhaft und langfristig existieren soll, muss das künstlerische Arbeiten in die Schulstruktur eingebunden und Teil dieser werden: zeitlich, inhaltlich und strukturell.

So kann die künstlerische Arbeit in die Schulatmosphäre und -kultur sowie in das Kollegium und die Schüler*innenschaft hineinwirken, auch die Eltern erreichen und Themen des Schulalltags aufgreifen und bearbeiten.

Wir hatten eine ziemliche lange Entwicklungszeit für unsere Kooperation und man muss einen langen Atem haben, um diese Entwicklung auszuhalten. Am Anfang waren es erst einmal Versuche, aber inzwischen hat sich etwas entwickelt, eine gemeinsame Konzentration, gemeinsame Ziele.

Wenn sich eine ganze Schulgemeinschaft gemeinsam mit einem Orchester auf den Weg macht, um Opern zu gestalten – das ist sensationell.
Hans-Martin Utz, Schulleiter der Gesamtschule Bremen-Ost

Lehrer*innen selbstverständlich einbinden

Ein erster Punkt zur strukturellen Verankerung und zur Etablierung einer vertrauensvollen Beziehung zwischen allen Beteiligten als Basis künstlerischen Arbeitens ist die selbstverständliche Einbindung der Lehrer*innen in die Zusammenarbeit mit den Kunst- und Kulturschaffenden. Dies bezieht sich sowohl auf die Entwicklung, Umsetzung und Reflexion der künstlerischen Arbeit als auch auf die künstlerische Arbeit direkt mit den Schüler*innen. Lehrer*innen haben die Möglichkeit, in der gemeinsamen Arbeit eigene künstlerische Erfahrungen zu machen, diese auszubauen und anschließend auch einzubringen. Dieser wachsende Erfahrungsschatz steigert die Qualität der künstlerischen Ansätze in der Schule und kann die Zusammenarbeit zwischen den Kunst- und Kulturschaffenden und den Lehrer*innen als anleitende Personen intensivieren.

Bei TanzZeit, dem Projektträger des Kunstlabors Tanz, ist die Form der Zusammenarbeit zwischen den anleitenden Tanzvermittler*innen und Lehrer*innen beispielsweise flexibel ausbaufähig und entwickelt sich erst nach und nach. Die Zusammenarbeit der Tänzer*innen mit der Schule kann von einigen wenigen Unterrichtseinheiten bis hin zu mehreren Jahren dauern. Speziell in der Sparte Tanz gibt es in der Schule in der Regel niemanden, der vertiefte Fachkenntnisse einbringen kann, da Tanz als eigenständiges Fach bisher keine curriculare Verankerung im Schulsystem hat. Mit zunehmender Erfahrung der Lehrer*innen wird es aber sogar möglich, im Tandem die Klassen gemeinsam anzuleiten. Für die Lehrperson vollzieht sich durch die Arbeit im Tandem mit den Tanzvermittler*innen ein Rollenwechsel von der Beobachterin und Unterstützerin hin zur aktiven Mitgestalterin.

An schulische Formate und Abläufe anknüpfen

Neben der nachhaltigen Einbindung der Lehrpersonen und der geplanten und bewussten Bereitstellung von Räumen für die künstlerische Arbeit spielt vor allem auch die Anbindung an die schulischen Formate und zeitlichen Abläufe eine Rolle für die Qualität des künstlerischen Prozesses. Je vielfältiger die künstlerische Arbeit in der Schulstruktur verortet ist, desto mehr Schüler*innen haben die Möglichkeit zur Teilhabe.

In den Kunstlaboren wurden verschiedene Formate erprobt:

Die Formate im Überblick

 

Die Verankerung der künstlerischen Angebote in der Schule kann stattfinden …

Die künstlerischen Herangehensweisen gehen in diesem Fall Hand in Hand mit den Unterrichtsinhalten und machen diese zum Thema, denn damit künstlerisches Arbeiten selbstverständlicher Teil der Lehr- und Lernkultur der Schule werden kann, braucht es eine Verschränkung mit den curricularen Inhalten.

Ein Beispiel: Im Kunstlabor Literatur wurde der Jugendroman „Tschick“ – Thema im Lehrplan vieler Bundesländer – mit künstlerischen Ansätzen für die Schüler*innen erfahrbar gemacht. Die Schüler*innen hören, sehen und lesen Ausschnitte des Romans sowie des Hörbuchs und der Verfilmung in dieser Unterrichtseinheit. Neben dem Medienvergleich von Roman, Hörbuch und Film, den sie hier erleben, diskutieren sie, wie und mit welchen Motivationen sie selbst in den beschriebenen Situationen handeln würden und erleben in inszenierten Situationen Reisestationen der beiden Hauptfiguren. Sie müssen sich selbst aktiv auf Lösungssuche für die Reiseherausforderungen begeben und können durch solch eine erlebnis- und sinnorientierte Herangehensweise einen emotionalen und reflektierten Zugang zu den Figuren und Geschehnissen des Romans finden. Das kann den Schüler*innen zum Beispiel auch die anschließende Textanalyse im Unterricht erleichtern.

Zum Projekt

Freiwillige sowie inhaltlich freie Angebote, wie zum Beispiel ein offenes Kunstatelier an einer Schule oder das Singer-Songwriter-Format im Kunstlabor Musik, eröffnen Schüler*innen viele Möglichkeiten, sich und ihre Interessen einzubringen. Zeitliche Freiräume bieten sich zum Beispiel in den Pausen oder am Nachmittag.
Beim offenen – im Sinne von nicht an den Unterricht gebundenen – Arbeiten stehen die Impulse und Ideen der Schüler*innen im Mittelpunkt. Die Kunst- und Kulturschaffenden nehmen diese auf, bieten Hilfestellungen, geben Tipps und begleiten und unterstützen die Schüler*innen bei der Umsetzung ihrer eigenen Ideen. Offenes Arbeiten bedeutet demnach auch, dass die Struktur, die Inhalte, die Herangehensweisen oder auch Materialien, Techniken sowie das konkrete Ergebnis zu Beginn des Arbeitsprozesses nicht unbedingt feststehen, sondern sich während des Tuns (weiter)entwickeln können.
Ein für die Schüler* innen offenes Kunstatelier oder der künstlerische Freiraum in einem freiwilligen Singer-Songwriter-Angebot kann so zu einem Möglichkeitsraum mit eigenen Regeln und besonderen Freiheiten werden.

Zur offenen Arbeit im Kunstlabor Bildende Kunst
Zum Singer-Songwriter-Projekt des Kunstlabors Musik

Nicht in jeder Schule stellen offene und freiwillige Formate die richtige Form dar, um die Schüler*innen zu erreichen. Gibt es bereits ein ausgeprägtes Angebot an freiwilligen AGs und/oder dürfen die Schüler*innen beispielsweise in Freistunden und Pausen das Schulgelände verlassen, ist die Nachfrage nach offenen Angeboten möglicherweise gering. Die Einbindung im Bereich der Wahlpflichtfächer kann hier eine gute Lösung sein, um zwar zum einen Verbindlichkeit herzustellen, zum anderen aber auch künstlerische Freiräume zu eröffnen, die der reguläre Fachunterricht so nicht bieten kann.

Ein Beispiel: Im Kunstlabor Bildende Kunst stand bei der Zusammenarbeit mit einer Gesamtschule in Lohmar die Frage im Raum, wie ein Kunstatelier und die dort arbeitende Künstlerin Teil der schulischen Strukturen werden könnten. Die Künstlerin sollte nicht das Lehrpersonal ersetzen, sondern die schulischen Inhalte mit ihren Angeboten ergänzen. Die Schule wünschte sich aus diesem Grund, dass die Künstlerin eine sogenannte „Werkstatt“ übernahm. In diesem besonderen Schulformat können die Schüler*innen Angebote frei wählen und bekommen dort keine Noten. An der Gesamtschule Lohmar dürfen die Schüler*innen in den Pausen das Schulgelände verlassen, weshalb es wenig Nachfrage nach einem offenen Arbeiten in einem Atelier gab. So war das besondere Schulformat „Werkstatt“ ein guter Kompromiss, um dennoch auch außerhalb des Unterrichts mit Schüler*innen zu arbeiten. Ein Vorteil der Einbindung in das „Werkstatt“-Format war, dass hierdurch langfristiges und kontinuierliches Arbeiten ermöglicht wurde – auch ohne regelmäßige Anbindung an den Unterricht.

Zum Projekt

Die Taktung des schulischen Alltags in 45-Minuten-Unterrichtsstunden stellt künstlerisches Arbeiten oft vor große Herausforderungen. Kreativität lässt sich oft nicht für einen bestimmten Zeitpunkt und auf Knopfdruck aktivieren. Schulen können hier Freiräume schaffen durch regelmäßig wiederkehrende Projekttage und -wochen oder eine bewusste Stundenplangestaltung, die beispielsweise alle musikalisch-ästhetischen Fächer auf einen Tag legt und es so ermöglicht, bei fächerübergreifendem Arbeiten längere Zeitfenster zu eröffnen.

Ein kulturelles Schulprofil entwickeln

Kulturelle Bildung hat eine wesentliche Bedeutung in Schulentwicklungsprozessen und trägt zur Steigerung von schulischer Qualität bei. Ein kulturelles Schulprofil zu entwickeln bedeutet, dass Kulturelle Bildung im Schulalltag verankert und zum festen Bestandteil der Lehr- und Lernkultur geworden ist (vgl. Naujokat/Nicolai 2019: S. 156).
Will eine Schule umfassend kulturell- künstlerisches Arbeiten etablieren, empfiehlt es sich, anhand der Fragen …

  • „Was gibt es an unserer Schule bereits?“
  • „Welche Ziele und Visionen verbinden wir mit einer solchen Entwicklung?“
  • „Welche Schritte sind dafür konkret notwendig?“

… mit der Entwicklung eines kulturellen Schulprofils zu starten.

Im Kunstlabor Tanz wurden an einer Berliner Schule im Zuge des Aufbaus eines Tanzprofils beispielsweise die Tanzstunden systematisch in den Schulalltag integriert. Unterschiedliche und inhaltlich aufeinander aufbauende Formate wurden im Stundenplan fest verankert.
Ziel war es, dass jedes Kind während seiner Laufbahn an dieser Schule an mindestens einem Tanzprojekt teilnimmt. Dies bedeutete eine enge inhaltliche Zusammenarbeit mit der Schulleitung und dem Kollegium, deren Zustimmung, Mithilfe und Engagement wichtige Faktoren für das Gelingen solch einer Profilbildung sind.
Die Entwicklung eines Tanzcurriculums und der Tanzunterricht im Tandem können Bausteine auf dem Weg sein. Vertiefend und fachspezifisch können gemeinsame Weiterbildungsformate für Lehrer*innen und Tanzvermittler* innen entstehen, zum Beispiel über den künstlerischen Entstehungsprozess einer Choreografie.

Auch folgende Tipps und Links können helfen:

 

 

… für Ihre Schule ist der im Programm „Kulturagenten für kreative Schulen“ entwickelte Kulturfahrplan auf: bit.ly/Kulturfahrplan

… die Lust und Interesse an einer dauerhaften oder zumindest längeren Zusammenarbeit mit Ihnen haben und gemeinsam Ideen entwickeln möchten.

… – sowohl freiwillig als auch verpflichtend –, sodass möglichst viele Schüler*innen die Möglichkeit zur Teilnahme haben. Im Idealfall gibt es an Ihrer Schule eine Person oder Personengruppe, die sich um die Koordinierung, Steuerung und Abstimmung der verschiedenen Angebote kümmert und die Gesamtheit im Blick behält.

… und bekannt für Lehrer*innen, Schüler*innen und auch Eltern, sodass sie zu einem bewussten Teil der Schulkultur wird.

Dies muss nicht zwangsweise die wöchentliche AG sein, sondern kann auch die jährlich stattfindende Projektwoche oder beispielsweise ein halbjährlich fest eingeplantes Konzert- oder Ausstellungsformat sein, an dem interessierte Schüler*innen teilnehmen können.

… um die Akzeptanz bei Schüler*innen und Eltern zu stärken und künstlerische Ansätze nicht willkürlich erscheinen zu lassen.

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Downloadmaterialien und hilfreiche Tools

Sie wollen mehr über qualitätsvolle, künstlerische Arbeit in Schulen, ihre Wirkweisen und Voraussetzungen erfahren?

Hier finden Sie unseren Ratgeber als kostenloses eBook und weitere nützliche Materialien für die Gestaltung des Verständigungsprozesses.

Weiter geht es mit dem fünften und letzten der Qualitätsbereiche ...

Zur strukturellen Verankerung künstlerischer Arbeit in Schulen können auch fest etablierte Räume beitragen. Wie Schulräume zu Kunsträumen werden können, erfahren Sie hier im Kapitel zum 5. Qualitätsbereich „Der Raum“.

Hier gelangen Sie zurück zur Übersicht über die fünf Qualitätsbereiche.

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Als Urheberin zu nennen: Julia Heisig, Ivana Scharf, Heide Schönfeld, Christina M. Schollerer

Zitatquelle: Naujokat, Kristin/Nicolai, Daniela (2019): Kulturelle Bildung als Motor für die Schulentwicklung in: Pädagogische Führung. Zeitschrift für Schulleitung und Schulberatung, Ausgabe 4/2019, Köln: Wolters Kluwer Deutschland GmbH.

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