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Idee
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Idee

Zeit für Tanz in Schulen!

Was ist überhaupt zeitgenössischer Tanz, wie kommt er an die Schule – und warum? Wie profitieren die Schüler*innen davon und wie kann die Zusammenarbeit von Lehrer*innen und Tanzvermittler*innen gelingen? Und letztlich: Wo finden Ratsuchende bei der Planung eines solchen Kooperationsprojekts Unterstützung?

Diesen und weiteren Fragen nach Bedingungen und Potenzialen von Tanzvermittlungsangeboten in Schulen geht das Projekt TanzZeit – Tanz in Schulen seit einigen Jahren in der Praxis auf den Grund.

Die folgende beispielhafte Geschichte über die „Zeit für Tanz an Schulen“ erzählt von den Anfängen und den notwendigen Schritten, um tanzkünstlerische Projekte in die Schulen und Klassenräume zu bringen – aus der Praxis für die Praxis!

Video: Andrea Keiz

Warum Tanz in Schulen?

Die Vision von TanzZeit – Tanz in Schulen

Tanz ist nicht – wie Musik, Literatur, Bildende Kunst oder auch Darstellendes Spiel – im Fächerkanon unseres Schulwesens verankert. An Schulen findet Tanz in den seltensten Fällen im Regelunterricht statt. Doch genau das war im Gründungsjahr 2005 das Ziel von TanzZeit: Alle Schüler*innen sollten im Klassenverband zusammen tanzen und Lehrer*innen und Künstler*innen sollten dafür zusammenarbeiten. Dabei bestand für die Kooperationspartner*innen eine wesentliche Herausforderung darin, gemeinsam Formen und Formate für die Tanzvermittlung zu erfinden und zu erforschen. Dank Projekten wie „TanzZeit – Tanz in Schulen“  tanzen mittlerweile in ganz Deutschland tausende Kinder und Jugendliche im Rahmen ihres Unterrichtes.

Was Tanz in Schulen bewirken kann

 

Das Wirken von TanzZeit beruht auf der Erkenntnis, dass das Erreichen persönlicher Lernziele entscheidend vom Erwerb von Kompetenzen im Kindes- und Jugendalter beeinflusst wird.

 

  • das Entdecken einer eigenen, individuellen Körpersprache und die Entwicklung von Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten
  • gemeinsames Erleben künstlerischer Prozesse mit allen dazugehörigen Höhen und Tiefen, Zweifeln und Unwägbarkeiten
  • der Gebrauch der Tanzsprache als universelle Sprache zum Überwinden von Wortbarrieren und Hemmschwellen
  • Vertrauensbildung in sich selbst und in die anderen Mitwirkenden
  • Entwicklung und Erfahrung von Respekt und Wertschätzung
  • Stärkung des Selbstwertgefühls und somit des Gefühls der Selbstwirksamkeit
  • Abbau kultureller, religiöser, fremdenfeindlicher oder anderer gesellschaftlicher Vorurteile
  • Steigerung von Konzentrationsfähigkeit und kognitiven Kompetenzen
  • Erweiterung des Körperbewusstseins, Verbesserung der motorischen Fähigkeiten, Trainieren der körperlichen und mentalen Ausdauer
TanzZeit initiiert künstlerische Prozesse in Schulen mit dem Ziel, Tanz als sinnliche und unmittelbare Kunstform erfahrbar zu machen, alternative Wege des Denkens und Handelns zu erforschen und damit Kinder und Jugendliche in ihrer physischen, geistigen und emotionalen Entwicklung langfristig zu unterstützen.
TanzZeit

Was ist Tanz überhaupt?

Eine Annäherung in Form eines Tanzstücks für Kinder ab 6 Jahren

Ist Tanz eine Sprache?
Was will uns der Tanz sagen?
Wie können wir Tanz verstehen?
Wie erfindet man eine Choreografie?

 

Diese Fragen thematisierte die Tanzproduktion „Was ist Tanz? Nr. 2, die 2005 Premiere feierte. Dabei handelt es sich um ein szenisches Lehrbuch, das den Kindern durch eine Suche nach einem verborgenen „Schatz“ die Spielregeln und Eigenheiten von Tanz und Choreografie näherbringt. Über eine spannende Geschichte wird den Kindern ein Zugang zum Verständnis für den Tanz verschafft.  Dabei führt die Geschichte einer Reise in das unbekannte Land des zeitgenössischen Tanzes. Anschließend sollen die Schüler*innen nicht nur Fragen beantworten, sondern sich zuerst einmal trauen, selbst Fragen zu stellen.

Kamera: Christof Debler
Copyright: Internationales Theaterinstitut Deutschland / Mediathek für Tanz und Theater

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Durchführung

Tanz als Teil des Stundenplans

Nach der Premiere von „Was ist Tanz? Nr. 2“  im Jahr 2005 wollten viele der anwesenden Lehrer*innen kreativen Tanzunterricht in ihre Schulen holen. Dieser Wunsch wurde zur Initialzündung aus der sich das Projekt TanzZeit – Tanz in Schulen entwickelte. Daraufhin wurden Fördergelder beim Kultursenat erfolgreich akquiriert. Der Bildungssenat erteilte die Genehmigung, im Vormittagsunterricht zu arbeiten und stellte seinen Schulverteiler zur Verfügung, um interessierte Lehrer*innen zu einem Informationssymposium einzuladen.

Doch damit ging die Arbeit erst richtig los!

Denn die Beteiligten sahen sich schnell mit folgenden Fragen konfrontiert:

  • Was ist bei der Vermittlung von zeitgenössischem Tanz an Schulen zu beachten?
  • Wie gelingt die Vermittlung von Tanz an Schulen?
  • Welche Unterrichtsformate sind denkbar?
  • Wie können qualitätsvolle Tanzprojekte durchgeführt werden?

Fragen, die im Folgendem geklärt werden sollen.

 

Video: Sven O. Hill

Liebe Adrienne, im Moment ist bei uns die Hölle los! Wir haben so viele Rückmeldungen! 50 professionelle Tänzer*innen aus allen Ländern, darunter auch Sasha Waltz, wollen bei der Pilotphase mitmachen. 80 Schulen haben sich beworben, Tanz wird in den Vormittagsunterricht integriert. Wir werden nicht alle Schulen aufnehmen können, weil wir keinen Cent mehr haben, die Betreuungsarbeit wird viel zu viel!
Livia Patrizi an Adrienne Göhler, damalige Senatorin für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Berlin, 2005

Was ist bei der Vermittlung von zeitgenössischem Tanz zu beachten?

Definitionen und Potenziale von, sowie Vorurteile gegenüber zeitgenössischem Tanz

Als Choreografin war das für mich ein ziemlicher Lernprozess. Schon der Geräuschpegel war gewöhnungsbedürftig, und erste Pläne musste ich ganz schnell loslassen. Aber dafür habe ich viel mehr gelernt, auf die Dynamik und Stimmungen zu hören.
Sasha Waltz, die in der Klasse ihres Sohnes unterrichtete, hatte 2005 die Schirmherrschaft für TanzZeit

„Wann tanzen wir denn richtig?“ – Diese oder eine ähnliche Frage wird früher oder später allen Tanzvermittler*innen gestellt. Wahrscheinlich, weil es bei der Vermittlung von zeitgenössischem Tanz nicht nur um das Erlernen vorgefertigter Schritte geht, sondern um Improvisation, und weil manchmal ohne Musik getanzt wird, man auf den Boden sinkt, rollt oder schlittert und andere Mitschüler*innen berührt.

„Tanzen ist schwul! Schau mal, wie behinderst du dich bewegst! Ich fasse doch kein Mädchen an!“ Aussagen wie diese gehören zum Vermittlungsalltag. Denn die Bewegungen können „eigenwillig“ sein, nicht immer harmonisch und symmetrisch und überhaupt ist vieles anders als bei „just dance” oder beim Ballett.

Es braucht Zeit, Vorurteile abzubauen. Es braucht Zeit, sich zu trauen, selbst Bewegungen zu erfinden, die nicht wie alle anderen aussehen. Es braucht Vertrauen, um mit jemand anderem zu tanzen. Es braucht Mut, um Gefühle und eigene Ideen zu zeigen und zu entwickeln. Doch genau dort, wo der Widerstand liegt, ist das Potenzial.

(Livia Patrizi)

Junge Tänzer*innen und der Zeitgenössische Tanz (Video: Andrea Keiz)

Wie gelingt die Vermittlung von Tanz an Schulen?

Von Unterrichtsformaten bis zur Qualitätssicherung

Ich selber bin in diesem Prozess eigentlich eher an einem Austausch mit den Schüler*innen interessiert, als daran, ihnen etwas vorzusetzen. Ich möchte wissen, was sie interessiert und wie sie denken. Ich möchte, dass sie in einen kreativen Prozess einsteigen, der echt ist, mit allen Höhen und Tiefen, und nicht leer, indem sie sich zwar Dinge ausdenken müssen und kreativ sein müssen, aber ohne dass ihnen wichtig ist, was sie tun.
Hanna Hegenscheidt, Tanzvermittlerin und Choreografin, in: „Leitfaden des Bundesverband Tanz in Schule: Theorie und Praxis“, 2012

Welche Unterrichtsformate sind denkbar?

Von drei Schulstunden bis zu einem Jahr

Nach 13 Projektjahren haben annähernd 20.000 Kinder aus rund 150 Schulen und 900 Schulklassen in fast allen Berliner Bezirken mit insgesamt 100 Tanzkünstler*innen im Rahmen von unterschiedlichen TanzZeit-Unterrichtsformaten getanzt. Ganze Klassenverbände tanzen in Projektformaten mit verschiedenen inhaltlichen Ausrichtungen. Dabei arbeiten die Tanzvermittler*innen immer gemeinsam mit den Lehrer*innen.

Foto: Sebastian Dudey

Gestartet wurde mit den wöchentlichen Formaten Junior (14 Termine) und Master (28 Termine). Die Masterprojekte sind in erster Linie auf die Entwicklung einer Choreografie im Klassenverband ausgerichtet. Mit der Zeit wurde deutlich, dass ein differenzierteres Angebot sinnvoll ist. Individuell können jährlich verschiedene Schwerpunkte gesetzt werden, wie die Entwicklung von Choreografien durch Schüler*innen verbunden mit Peer-to Peer Unterricht. In kürzeren Formaten kann ein Fachinhalt aus der Perspektive Tanz betrachtet oder Fachinhalte tänzerisch bearbeitet werden. Mit Klassen, die über mehrere Jahre tanzen, kann ein inhaltlich aufeinander aufbauendes Programm erarbeitet werden.

Auch die großen Unterschiede in Bedarf und organisatorischem Spielraum der Schulen machen ein differenziertes Angebot sinnvoll. So haben Grundschulen oft diverse Möglichkeiten, externe Projekte unterzubringen. Weiterführende Schulen sind zum Teil durch den Lehrplan stärker eingeschränkt. Hier bieten sich Intensivwochen oder auch ein zeitlich begrenzter Tanz-Input im Rahmen eines Wahlpflichtkurses an. Manchmal wird auch explizit eine an ein übergeordnetes Thema orientierte Projektwoche gewünscht oder ein eintägiges Tanzevent, welches mehrere Klassen einer Schule, die Eltern und das Kollegium mit einbezieht.

Beispiele für Unterrichtsformate...

 

 

Format: Intensivprojekt mit 3 Unterrichtseinheiten für die Klassen 1-6

Curriculumsinhalte unterschiedlicher Fächer werden von den Tanzvermittler*innen nach Rücksprache mit der Lehrkraft mit und durch Tanz vermittelt.  Die Schüler*innen verhandeln Themen wie z. B. Kinderrechte, Englischvokabeln oder den Stromkreis im Klassenraum.

Ausgehend von der Frage „Was ist Choreografie?“ wird ein choreografischer Rucksack gepackt.

Intensiv: An drei aufeinander folgenden Tagen wird vier Stunden täglich in der Schule getanzt.

Interaktiv: Am 4. Tag begegnen sich jeweils 2 Klassen zu einem 3-stündigen „Tanztausch“.

Inspirierend: Am 5. Tag besuchen die Schüler*innen eine professionelle Tanzaufführung: Anschließend besteht die Möglichkeit, sich mit den Choreograf*innen und den Tänzer*innen auszutauschen – sowohl im Dialog, als auch ganz praktisch in Bewegung.

Format: Ein Halbjahr Tanz für Schüler*innen aller Schulformen ab Klasse 1

Dieses Modul (14 wöchentliche Termine à 90 Minuten) beinhaltet für Lehrer *innen und Künstler*innen zwei Kooperationstermine – zur Vorbereitung und zum Abschluss.

Die 14 Termine schließen eine schulinterne Präsentation mit ein. Die Präsentation ist fester Bestandteil des Projekts.

Format: Ein Jahr Tanz für Schüler*innen aller Schulformen ab Klasse 1

Dieses Modul (29 wöchentliche Termine à 90 Minuten plus 1 Vorstellungsbesuch) beinhaltet für Lehrer*innen und Künstler*innen drei Kooperationstermine – zur Vorbereitung, zur Zwischenreflexion und zum Abschluss.

Die insgesamt 30 Termine schließen die Präsentation selbst mit ein. Alle Master-Klassen bekommen die Möglichkeit, zum Schuljahr-Ende auf einer großen Bühne aufzutreten.

… und längerfristige Kooperationen

 

 

Gemeinsam gestalten Lehrer*in und Tanzvermittler*in ein Tanzprojekt.

Für das Tandem besonders geeignet sind Lehrkräfte, die

  • bereits an einem Tanzprojekt beteiligt waren
  • ein eigenes Interesse für den Tanz als darstellende Kunstform mitbringen und
  • selbst bewegungs- und experimentierfreudig sind.

Für die Lehrkraft vollzieht sich durch die Arbeit im Tandem mit dem*der Tanzvermittler*in ein Rollenwechsel von dem*der Beobachter*in und Unterstützer*in zur Mitgestalter*in.

Für die Tanzvermittler*in ist es von großem Vorteil, mit einer*m Teampartner*in zusammenzuarbeiten, die*der bereits Tanzunterrichts-Erfahrungen gesammelt hat.

Im Zuge des Aufbaus eines Tanzprofils werden Tanzstunden systematisch in den Schullalltag integriert. Unterschiedliche und inhaltlich aufeinander aufbauende Formate werden im Stundenplan fest verankert. Ziel ist es, dass jedes Kind während seiner Laufbahn an dieser Schule an mindestens einem Tanzprojekt teilnimmt. Dies bedeutet eine enge inhaltliche Zusammenarbeit mit der Schulleitung und dem Kollegium. Die Entwicklung eines Tanzcurriculums und der Tanzunterricht im Tandem können Teil davon sein. Vertiefend und fachspezifisch können gemeinsame Weiterbildungsformate für Lehrer*innen und Tanzvermittler*innen entstehen, zum Beispiel über den künstlerischen Entstehungsprozess einer Choreografie.

Wie können qualitätsvolle Tanzprojekte an Schulen durchgeführt werden?

Über Bildungsdimensionen im Tanz und das Qualitätssicherungskonzept von TanzZeit

Die Klasse läuft wunderbar. Die Kinder sind äußerst lernwillig und bewegungstalentiert. Wir machen große Fortschritte und können ziemlich sicher am Ende des Schuljahres eine kleine Inszenierung sehen lassen. Inhaltlich strukturiert sich der Tanz-Unterricht nach den Bildungsdimensionen. Die Schüler genießen den bewegungsreichen Ausgleich zum täglichen Schulleben und kommen sich im Tanzen physisch und sozial näher. Alles in allem sind wir sehr zufrieden mit der Klasse und staunen regelmäßig über den Fortschritt. Diese Schulklasse profitiert sehr vom Tanz-Angebot.
Jürgen N., Lehrer einer Berliner Grundschule an Marie Beyeler, Projektleitung von TanzZeit, 2009

Bei Tanz in Schulen-Projekten stellt sich immer auch die Frage nach der Vermittlungsqualität. Künstler*innen in Schulen? Wie soll das gehen?

Seit seiner Gründung hat sich der Bundesverband Tanz in Schulen systematisch der Frage nach der Qualität gewidmet. Auf Initiative des Bundesverbandes haben einzelne Akteur*innen und Koordinierungsstellen Qualitätskonzepte erarbeitet oder sich am Qualitätsleitfaden des Bundesverbandes orientiert.

Das Qualitätssicherungskonzept von TanzZeit

 

Die Qualität eines Tanzprojektes in einer Schule hängt von vielen Faktoren ab. Eine konstruktive Kommunikation zwischen der Schule und Koordinierungsstelle ist dabei maßgeblich und gehört genauso dazu wie eine gesicherte Finanzierung oder geeignete Räumlichkeiten.

 

Um die Qualität der Arbeit der Tanzvermittler*innen in Schulen zu gewährleisten, orientiert sich TanzZeit an den fünf Phasen, die jedes Projektformat durchläuft: die Vorbereitungs-, Anfangs-, Haupt-, End- und Nachbereitungsphase. Entlang dieser zeitlichen Achse hat TanzZeit verschiedene Instrumente entwickelt, welche die Durchführenden unterstützen. Diese Instrumente sind in der Website Calypso eingebettet.

TanzZeits Weiterbildungsprogramm wurde basierend auf den jahrelangen Praxiserfahrungen der Tanzvermittler*innen entwickelt. Es besteht aus 4 Bausteinen:

Fortbildungen: Mehrere Fortbildungstage im Jahr beschäftigen sich mit inhaltlichen, pädagogischen, methodisch-didaktischen, psychologischen und genreübergreifend-künstlerischen Themen.

„Sharing“-Format: Im „Sharing“-Format unterrichten Tanzvermittler*innen in Anwesenheit von anderen Tanzvermittler*innen und tauschen sich anschließend über ihre Erfahrungen und Beobachtungen aus.

Fachspezifisches Coaching: Das fachspezifische Coaching ermöglicht die individuelle Begleitung einzelner Tanzvermittler*innen durch eine*n Experten*in zu einem spezifischen Thema.

Peer-to-Peer-Austausch und -Reflektion: Das Weiterbildungsprogramm wird von einer Teilnehmer*innengruppe, bestehend aus aktiven Tanzvermittler*innen und Lehrer*innen, durchlaufen. Dies ermöglicht konstruktiven und regelmäßigen Austausch und Reflektion.

Die vertiefenden Fortbildungsmodule von TanzZeit richten sich an Tanzvermittler*innen, Lehrer*innen und Studierende beider Bereiche deutschlandweit. Sie behandeln Themenbereiche, die unabhängig von Format, Kontext, Bundesland oder Koordinierungsstelle für die Tanzvermittlung relevant sind. Die Module thematisieren beispielsweise die Anwendung der Calypso-„Fokusfelder“, welche den Gegenstand der Tanzvermittlung differenzieren. Oder sie gehen auf die nötige Beziehungsarbeit in der Tanzvermittlung ein und geben in den Calypso-„Kriterien für Choreografie im Kontext Schule“ Hilfestellung, wie der soziale Aspekt der Vermittlungsarbeit künstlerisch verhandelt werden kann.

TanzZeit orientiert sich in der Qualitätssicherung unter anderem am vom  Bundesverband Tanz in Schulen entwickelten Qualitätsrahmen für Tanz in Schulen. Dieser richtet den Fokus auf den zeitgenössischen Tanz und benennt umfassend alle Beteiligten, die zum Gelingen eines Tanzprojektes beitragen. Hierzu gehören die Tanzvermittler*innen, die Koordinationsstellen, Schulen, Lehrer*innen und Schüler*innen. Außerdem umfasst der Qualitätsrahmen die Bildungsdimensionen, eine Bandbreite relevanter Aspekte qualitätsvoller Vermittlung, die in einem ganzheitlichen Tanzunterricht vorkommen sollten.

Eindrücke einer Fortbildung für Lehrer*innen und Künstler*innen
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Übertragbarkeit

Hilfestellungen für Lehrer*innen und Tanzvermittler*innen für die Entwicklung eigener Tanzprojekte an Schulen

Wenn die Entscheidung gefallen ist, ein Tanzprojekt in einer Schule durchzuführen, sollten organisatorische und logistische Voraussetzungen geklärt, alle Beteiligten ins Boot geholt und die Finanzierung des Projektes abgesichert werden. Die folgenden Kontaktstellen und Tipps erleichtern die Planung des Projektes und geben konkrete Hilfestellungen.

Video: Sven O. Hill

Wie findet man Verbündete für ein Tanzprojekt?

Von den grundlegenden Voraussetzungen eines Tanzprojektes, der künstlerischen Arbeit mit Gleichgesinnten bis zu konkreten Anlaufstellen und Kontakten

Bevor es losgeht...

 

 

Es ist notwendig, die Schulleitung über das Tanzprojekt zu informieren, denn jedes Projekt braucht einen Raum, eine Versicherung und Aufsichtspersonen. Die zeitlichen und räumlichen Ressourcen sind eine grundlegende Voraussetzung des Tanzprojektes.

Förderlich ist die Vorstellung des Tanzprojektes im Rahmen eines Elternabends, um für die Zustimmung der gesamten Elternschaft zu werben. Falls nicht alle Eltern einverstanden sind oder sich die Finanzierung des Projektes problematisch gestaltet, können gemeinsam Lösungen gefunden werden. Je mehr Informationen die Eltern über das geplante Projekt haben, desto mehr Unterstützung erfährt es.

Dass sich die Schüler*innen für Zeitgenössischen Tanz interessieren, ist nicht selbstverständlich, denn die Kunstform und ihre Arbeitsweisen sind für die meisten jungen Menschen erstmal fremd. Kulturell bedingte Vorurteile, die Pubertät oder altersbedingte körperliche Hemmungen können den Zugang zuerst erschweren. Wichtig ist deshalb gerade am Anfang eines Projektes, mit den Schüler*innen darüber im Dialog zu sein, sie nach ihren tänzerischen Vorlieben zu fragen oder andere Anknüpfungspunkte an ihre Lebenswelt zu finden und diese mit den Unterrichtsinhalten zu verbinden. Im digitalen Praxistool Calypso findet man Materialien und Tipps gerade für diese Anfangsphase unter „Interessieren“ und „Kennenlernen“.

Es hat sich außerdem bewährt, das Tanzprojekt in Schulen mit einem Besuch einer Tanzaufführung zu koppeln und das gesehene Stück mit den Schüler*innen zu reflektieren. Hier ist eine Übersicht von Theatern und Festivals, die zeitgenössischen Tanz für junges Publikum anbieten:

Junger Tanz Hamburg

PURPLE Festival Berlin

Tanzhaus NRW

TANZKOMPLIZEN Berlin

Think Big Festival München

Hier finden Sie ...

 

 

Eine gezielte Suche nach aktiven Tanzvermittler*innen oder Koordinator*innen, Projekten, Orten oder Tanzstilen sowie die Kontaktaufnahme mit den Durchführenden ist mit TanzPOD möglich.

TanzPOD ist eine Datenbank des Bundesverbands Tanz in Schulen e.V., die Tanzprojekte online dokumentiert.

Länderspezifische Koordinationsstellen sind bei der Suche nach Schulen ein guter Ansprechpartner und können beraten, beispielsweise …

Weitere Koordinationsstellen finden Sie in TanzPOD, der Datenbank des Bundesverbands Tanz in Schulen e.V..

Wie lässt sich Tanz an Schulen finanzieren?

Möglichkeiten finanzieller Unterstützung für Tanzprojekte an Schulen

Die Suche nach finanzieller Unterstützung ist nicht einfach. Es gibt jedoch viele unterschiedliche Finanzierungsmöglichkeiten:

  • schulinterne Mittel:  Informieren Sie sich bei Ihrer Schulleitung, welche Möglichkeiten Ihnen zur Verfügung stehen.
  • öffentliche Töpfe (auf die sich Schulen je nach Profil und Schwerpunkt bewerben können)
  • Fördervereine und -kreise der Schule (für finanzielle und organisatorische Unterstützung)
  • Initiierung einer Wohltätigkeitsveranstaltung (Basar, Flohmarkt, Schulfest, Konzert oder Aufführungen)
  • ein Rotary und Lions Club (in dessen Distrikt die Schule liegt)
  • Sponsoring (beispielsweise durch Partner in der lokalen Wirtschaft, im Stadtviertel oder der Elternschaft)
  • Crowdfunding (beispielsweise im Rahmen eines Klassenprojekts)
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Material

Calypso – Das Praxistool für Tanzunterricht in Schulen

Calypso ist eine Website für Lehrer*innen und Tanzvermittler*innen, die gemeinsam Tanzprojekte an Schulen durchführen möchten.

Als Kreis mit 7 Stationen spiegelt Calypso den Verlauf eines Tanzprojektes, vom Kennenlernen über die tänzerische Bearbeitung verschiedener Inhalte bis zur Reflexion und dem gemeinsamen Abschluss wider. Thematisiert werden Bedingungen für eine konstruktive Zusammenarbeit im Gestaltungsprozess, gemeinsame Zielsetzungen und praxisorientierte Vorschläge für Vermittlungsansätze.

Basierend auf dem Erfahrungsschatz vieler Lehrer*innen und Tanzvermittler*innen, die am Projekt TanzZeit beteiligt waren und sind, wurden Praxismaterialien wie Leitfäden, Spiele, Themenübersichten und Aufgaben für den Unterricht entwickelt.

Calypso inspiriert und unterstützt qualitätsvolle Tanzvermittlung in Schulen.

Was ist Calypso?

Creative Commons Lizenzvertrag
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